Das ehemalige Kaßberg-Gefängnis war ein zentraler Ort politischer Haft – in der Zeit des Nationalsozialismus für Angehörige verschiedener Verfolgtengruppen, Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden und Widerstandskämpfer, und später in der DDR als Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs. Der Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e. V. setzte sich seit 2010 für den Erhalt des Gebäudekomplexes ein und erkämpfte die Errichtung einer Gedenkstätte mit einer Bildungsabteilung. Während unseres Besuches werden wir voraussichtlich auch mit dem Sohn von Max Brudner sprechen können.
Um die Dimension der nationalsozialistischen Verbrechen zu begreifen, muss man nicht nur in fernab gelegene KZ-Gedenkstätten fahren. Auch in unseren Regionen gab es zahlreiche Orte des Unrechts – viele von ihnen heute unsichtbar oder in Vergessenheit geraten. Lokale Initiativen und Vereine haben einige dieser Orte erforscht, in den letzten Jahren neue Lernorte geschaffen und erzählen ihre Geschichte(n). Dieser Besuch bietet kein fertiges Konzept für Bildungsarbeit, sondern eröffnet Perspektiven: Er schärft den Blick für NS-Orte „vor der eigenen Haustür“ und ermutigt, historische Bildungsarbeit lokal zu verankern. So können überregionale Gedenkstättenfahrten eine neue Bedeutung gewinnen.
