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Digitale Karte zu Orten der NS-Geschichte im Erzgebirge

  • als Orientierungshilfe zur Sichtbarmachung regionaler Bezüge zu historischen Ereignissen (Orte, Personen) als Anregung zur lokalen Spurensuche

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weitere digitale Karten zu Sachsen: Gedenkplätze / Lernorte Sachsen

Moritz Ploschitzki wurde am 29. August 1877 in Seehesten bei Sensburg in Ostpreußen geboren. Er entstammte einer großen jüdischen Kaufmannsfamilie und hatte sieben Geschwister, darunter seinen Bruder Simon Ploschitzki (1879–1936). Zwischen 1910 und 1911 zog Moritz nach Annaberg.

Ab Sommer 1911 leitete Moritz gemeinsam mit seinem Bruder das Kaufhaus von Arnold Frank in der Buchholzer Straße 32. Ende der 1930er-Jahre musste das Geschäft zwangsweise aufgegeben werden, wie viele jüdische Unternehmen unter dem NS-Regime, und ab 1931 nutzte ein nicht-jüdisches Kaufhaus die Räume.

1920 heiratete Moritz in Berlin Lehnchen Lena Freyer (1887–1987). Das Paar hatte zwei Kinder: Ursula (geb. 1923) und Gerhard Hans Joachim Ploschitzki (geb. 1925). Zwischen 1923 und 1931 lebte die Familie in Annaberg in der Scheibnerstraße 17. Moritz engagierte sich aktiv im jüdischen Gemeindeleben und vertrat die Israelitische Gemeinde Annaberg auf Sitzungen des Dachverbandes der Sächsischen Israelitischen Gemeinden.

1933 verließ die Familie Annaberg aufgrund der zunehmenden antisemitischen Repressionen und zog zunächst nach Dresden, später nach Berlin-Wilmersdorf. 

Im Januar 1943 flohen Moritz, Lehnchen und ihr Sohn Hans mithilfe gefälschter Papiere und versteckten sich in Sachsen, Thüringen und Bayern. Sie überlebten die Shoah, während ihre Tochter Ursula verhaftet und 1943 mit dem 39. Osttransport nach Auschwitz deportiert wurde, wo sie umkam.

Nach Kriegsende lebten Moritz, Lehnchen und Hans zunächst in Bad Tölz in einer jüdischen Gemeinde für Displaced Persons. Moritz Ploschitzki starb am 29. September 1946 in Bad Tölz. 1947 emigrierten Lehnchen und Hans in die USA, wo Hans als Harry G. Plow 1952 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt, heiratete und eine Familie gründete. Lehnchen Lena Plow starb 1987 in Boston, Harry G. Plow 2007 in Ocala, Florida.

Max Nordon wurde am 4. August 1903 in Lewin geboren und lebte bis April 1939 in Annaberg, in der Buchholzer Straße 32. Er war Kaufmann und Inhaber einer Posamentenfabrik in der Johannisgasse 32, in der Bänder, Kordeln und Schmuckbesatz für Kleidung hergestellt wurden. Nordon war zudem aktiv in der jüdischen Gemeinde von Annaberg.

Seine Frau Lotte Nordon, geborene Rosenberg, wurde 1910 geboren. 

Max’ Vater, Dr. Jean Nordon, wurde am 10. Oktober 1867 in Lissa (Polen) geboren. Nach seiner Approbation 1893 arbeitete er zunächst als Arzt in Königswalde und ab 1915 als Arzt in Annaberg, wo er weit anerkannt war. Er starb am 25. November 1924 und liegt auf dem Annaberger Friedhof begraben.

Während der Novemberpogrome 1938 kam es in Annaberg zu Angriffen auf jüdische Menschen und Einrichtungen: Der Betsaal und der Friedhof wurden verwüstet, Wohnungen durchsucht und Geschäfte beschädigt. Am 10. November 1938 wurde Max Nordon zusammen mit anderen jüdischen Männern vorübergehend in das Sonderlager Buchenwald gebracht. 

Anfang 1939 zog Nordon mit seiner Frau nach Berlin, wo sie bei seinem Onkel Max Loewy unterkamen. Die Familie Nordon wurde schließlich 1943 deportiert und in Auschwitz ermordet. Heute erinnern Stolpersteine in Berlin an Max und Lotte Nordon sowie an ihren Onkel Max Loewy und seine Frau Rosa.

Walter Salomon Stern wurde am 22. August 1901 in Gießen geboren und arbeitete später als einfacher Arbeiter. In den 1930er-Jahren lebte er in Annaberg, u. a. in der Kleinen Kirchgasse. Seine erste Ehefrau, Mathilde Stern, geborene Stütz, starb kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Gottfried Bernhard Stern, der am 5. November 1935 in Annaberg zur Welt kam. Nach dem Ableben seiner ersten Frau ehelichte Walter Stern Judith Zofya Marya Stern, geborene Bogota, die aus Polen stammte.

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme verschlechterte sich die Situation für die Familie zunehmend. Am 31. März 1934 trat Walter Stern zum katholischen Glauben über, vermutlich in der Hoffnung, der Verfolgung zu entgehen. Dennoch blieb die Familie von den antisemitischen Maßnahmen nicht verschont. Während der Novemberpogrome 1938 kam es auch in Annaberg zu schweren Übergriffen auf jüdische Einrichtungen und Menschen. Synagogen und Friedhöfe wurden zerstört, Wohnungen durchsucht und zahlreiche Männer verhaftet. Auch Walter Stern wurde festgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht, jedoch nach kurzer Zeit wieder entlassen.

Ende 1939 wurde die Familie gezwungen, Annaberg zu verlassen und in ein sogenanntes „Judenhaus“ nach Chemnitz umzuziehen. Am 21. Juni 1943 wurden Walter und Judith Stern mit einem Transport über Dresden in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Im Oktober 1944 erfolgte ihre Weiterdeportation in das Vernichtungslager Auschwitz. Dort wurde Judith Zofya Marya Stern bereits am 3. Oktober 1944 ermordet. Walter Salomon Stern überlebte nur wenige Monate länger und wurde am 8. Mai 1945 ebenfalls getötet.

Ihr Sohn Gottfried erlebte als Kind Ausgrenzung und Gewalt durch nationalsozialistische Anhänger. Während eines Bombenangriffs auf Chemnitz befand er sich in einem Kinderheim, wo er bis zum Kriegsende blieb. Nach 1945 wurde er von einer Pflegefamilie aufgenommen.

Bernardo Grosser wurde am 2. Oktober 1906 in Kamionki Wielki im damaligen Polen geboren. Im Jahr 1910 zog seine Familie nach Zwickau, wo sein Vater als Kaufmann tätig war. Grosser besuchte zunächst ein Gymnasium, das er jedoch aufgrund antisemitischer Anfeindungen ohne Abschluss verließ, und wechselte anschließend auf eine Handelsschule. Nebenbei arbeitete er in den Geschäften seiner Familie mit und engagierte sich im jüdischen Sportverein.

Im Jahr 1925 zog Bernardo Grosser im Alter von 19 Jahren nach Annaberg. Dort gründete er die Firma „Gebrüder Grosser GmbH“, in der er zunächst Möbel und Kleidung verkaufte, häufig auch auf Ratenzahlung. Das Unternehmen erwies sich jedoch wirtschaftlich nicht als dauerhaft tragfähig, sodass er es nach einigen Jahren aufgeben musste. Anschließend war er in einer Posamentenfabrik tätig, die sich in der Buchholzer Straße befand. 

In Annaberg war Grosser gut in das gesellschaftliche Leben integriert. Er engagierte sich besonders im Sport und wurde bereits 1925 Mitglied im örtlichen Verein für Bewegungsspiele. Im Fußballclub Annaberg war er nicht nur aktiver Spieler, sondern zeitweise auch Vizepräsident. Zudem gehörte er einer Theatergruppe an. Trotz zunehmender antisemitischer Ausgrenzung konnte er zunächst noch am Vereinsleben teilnehmen.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verschlechterte sich auch seine Lage. Bereits 1933 wurde er Opfer gewaltsamer Übergriffe durch Angehörige der SA. Seine Freunde vorwiegend aus dem Sportverein stellten sich anfänglich hinter ihn und konnten ihn somit schützen. In den folgenden Jahren nahmen Diskriminierung und Bedrohung weiter zu, sodass er 1936 Annaberg verließ und aus Deutschland emigrierte. Über mehrere Stationen gelangte er schließlich nach Italien und später in die Schweiz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich Bernardo Grosser in Italien nieder, wo er heiratete und eine Familie gründete. Später zog er nach Jerusalem, wo er am 15. Mai 2003 verstarb.

Seine Familie wurde Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung: Seine Eltern wurden deportiert und ermordet, ebenso weitere Angehörige. 

https://www.zwickauer-fussballgeschichten.de/projekte/juedischer-fussball-in-zwickau/

Dr. Karl Wilhelm Karger
(30.05.1898 in Annaberg - 05.10.1945 in Tel Aviv)

Eltern: Leopold und Elise Karger
Geschwister: Ruth Margarete Karger und Ernst Wolf Karger
Ehefrau: Susanne Resch (1904–1975), Heirat 1931, keine Kinder

Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Freiburg, Leipzig und Göttingen.

Beruflich war Karl Karger zunächst als Rechtsberater für die Lingner-Werke AG in Dresden tätig, einem Unternehmen, das Hygieneartikel herstellte und insbesondere durch das Mundwasser Odol bekannt wurde. Ab 1926 arbeitete Karger als Rechtsanwalt in Chemnitz. Dort war er u. a. für den Schocken-Konzern sowie die Sigmund Goeritz AG tätig, beides Unternehmen in jüdischem Besitz. Der Schocken-Konzern zählte zu den bedeutenden Warenhausketten seiner Zeit und betrieb rund 20 Kaufhäuser, darunter auch in Chemnitz und Aue. Die Sigmund Goeritz AG war eine Textilfabrik, die sich vor allem auf die Herstellung von Unterwäsche spezialisiert hatte.

Wie seine Schwester Ruth engagierte sich auch Karl Karger politisch und arbeitete als Strafverteidiger für die Organisation „Rote Hilfe“. In diesem Rahmen verteidigte er Personen, die aus politischen Gründen angeklagt worden waren.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 sahen sich Karl Karger und seine Frau zur Flucht gezwungen. Bereits im März 1933 verließen sie Deutschland und gingen zunächst nach Karlsbad. Im August desselben Jahres emigrierten sie weiter nach Palästina.

https://hubertlang.de/wp-content/uploads/2018/01/aor_chemnitz_ausgrenzung.pdf

Ernst Wolf Karger, Sohn von Leopold und Elise Karger und der Bruder von Ruth Margarete Karger und Karl Wilhelm Karger, wurde am 17. Juli 1903 in Annaberg geboren wurde. Er ergriff den Beruf des Kaufmanns.

Im Laufe der 1930er-Jahre entwickelte sich Ernst Wolf Karger zu einem Gegner des nationalsozialistischen Regimes und engagierte sich im Widerstand. Bereits früh geriet er wiederholt in Konflikt mit den Behörden, unter anderem wegen eines Passvergehens sowie wegen Diebstahls. Infolgedessen wurde er zunächst im Gefängnis in Annaberg inhaftiert und später in das Zuchthaus Zwickau überstellt.

Am 18. April 1938 erfolgte seine Verhaftung in Berlin. Die nationalsozialistischen Behörden beschuldigten ihn, für einen tschechischen Offizier Spionagetätigkeiten ausgeübt zu haben. In diesem Zusammenhang trat er unter dem Decknamen Ernst Kutschera auf. In den folgenden Jahren, von 1939 bis 1942, war er im Zuchthaus Waldheim inhaftiert, wo er schließlich wegen Landesverrats verurteilt wurde.

Am 23. Dezember 1942 wurde Ernst Wolf Karger in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Bereits wenige Wochen später, am 22. Januar 1943, kam er im Lager ums Leben.

Ruth Margarete Karger, Tochter von Leopold und Elise Karger und Schwester von Ernst Wolf Karger und Karl Wilhelm Karger, wurde am 17. Oktober 1900 in Annaberg geboren. Über ihren Bildungsweg ist nur wenig im Detail überliefert; vermutlich studierte sie Rechtswissenschaften in Göttingen. Nach Abschluss ihres Studiums ließ sie sich als Rechtsanwältin nieder und war in Dresden tätig.

In ihrer beruflichen Praxis engagierte sich Karger insbesondere für politisch Verfolgte. Sie übernahm die Verteidigung von Menschen, die aus politischen Gründen vor Gericht standen, und arbeitete dabei eng mit der Organisation „Rote Hilfe“ zusammen. Diese unterstützte vor allem politische Gefangene, insbesondere aus dem kommunistischen Umfeld. Innerhalb dieser Organisation war der Anteil von Frauen unter den Rechtsanwälten äußerst gering: Von mehr als 300 Anwälten waren lediglich sechs weiblich, darunter auch Ruth Karger.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verschlechterte sich die Situation für viele Juristinnen und Juristen dramatisch. Besonders betroffen waren jüdische Anwälte sowie solche, die sich politisch engagiert oder Regimegegner verteidigt hatten. Die „Rote Hilfe“ wurde 1936 verboten.

Für jüdische Rechtsanwältinnen waren die Maßnahmen des NS-Regimes besonders einschneidend. Anders als für einige ältere männliche Kollegen gab es für sie keine Ausnahmeregelungen. Sie erhielten ausnahmslos Berufsverbot und wurden vollständig aus dem juristischen Berufsleben ausgeschlossen. Auch Ruth Karger durfte in Dresden nur noch bis 1933 als Anwältin arbeiten. 

Ruth Karger verließ Dresden und zog nach Berlin, wo sie zwischen 1935 und 1942 in unterschiedlichen Wohnungen gemeldet war. Vor der Deportation nach Theresienstadt waren sie und ihre Mutter in der Fasanestr. 57 gemeldet. Am 28. Mai 1943 wurden Ruth Karger und ihre Mutter im Transport I/95 nach Theresienstadt deportiert. Ruth Karger starb am 26. Juni 1943 im Alter von 42 Jahren.

Sie blieb unverheiratet.

Todesfallanzeige: https://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/96990-karger-ruth- todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/

Leopold Karger wurde am 25.12.1862 in Neustadt an der Dosse geboren. Er war Kaufmann. Am 01.03.1893 zog er von Berlin nach Annaberg. Dort wurde er Mitinhaber der Firma in der Posamentenfabrikation „M. Türk & Karger“. Die Firma befand sich in der Wolkensteiner Straße 15. Leopold Karger starb schon früh am 26.07.1906 im Alter von 43 Jahren. Sein Grab gibt es noch
heute auf dem Ehrenhain auf dem Neuen Friedhof in Annaberg.

Seine Frau Elise Karger, geb. Weil, wurde am 02.09.1870 in Lissa im heutigen Polen geboren. Sie wurde am 28. Mai 1943 gemeinsam mit ihrer Tochter Ruth von Berlin im Alterstransport I/95 nach Theresienstadt deportiert. In Unterlagen der Gedenkstätte ist zu finden, dass sie im Krematorium am 11.07.1944 eingeäschert wurde.

Sie hatten drei Kinder, Ruth Margarete, Ernst Wolf und Karl Wilhelm.

Max Schmoll wurde am 21. Januar 1899 in Pleschen in der Provinz Posen/Poznań geboren. Später lebte er in Annaberg.

Er war mit Kläre (Klara) Marie Schmoll, geborene Ebeling, verheiratet. Sie wurde am 4. Juni 1906 in Buchholz geboren und war keine Jüdin. Das Ehepaar hatte eine Tochter: Annemarie Schmoll, geboren am 4. September 1931 in Annaberg. Die letzte bekannte Adresse der Familie war die Wolkensteiner Straße 7.

Max Schmoll arbeitete als Kaufmann und war 1931 Geschäftsführer.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Max Schmoll 1938 verhaftet und mehrere Wochen im KZ Buchenwald festgehalten. Anfang 1939 verließ der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Annaberg mit seiner Frau die Stadt. Max Schmoll übernahm danach seine Aufgaben. Im April 1940 war er dabei, als die jüdischen Gräber von Annaberg nach Chemnitz umgebettet wurden.

Im Februar 1945 deportierten die Nationalsozialisten Max Schmoll in das Ghetto Theresienstadt. Es war der letzte Deportationszug aus dem Bezirk Dresden.

Nach der Befreiung kehrte er nach Annaberg zurück und arbeitete im Landratsamt als Finanzdezernent. Max Schmoll starb im Jahr 1956.

Hanns Jacob Kaplan wurde am 20. April 1891 in Guben in der Niederlausitz geboren. Später lebte und arbeitete er als Zahnarzt in Annaberg. Seine Praxis und Wohnung befanden sich in der Bismarckstraße 8, heute Straße der Einheit 8. Hanns Kaplan war mit Martha Johanna Kaplan, geborene Köhler, verheiratet. Sie wurde am 11. September 1901 in Grimma geboren und war keine Jüdin. Das Ehepaar hatte zwei Söhne: Hanns Heinrich Kaplan, geboren 1925, und Alexander Peter Kaplan, geboren 1935.

Hanns Kaplan gehörte zur jüdischen Gemeinde in Annaberg und war dort ein wichtiges Mitglied. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde er verfolgt. Schon 1933 durfte er nicht mehr als Zahnarzt arbeiten. Im November 1938 wurde er verhaftet und mehrere Wochen im KZ Buchenwald festgehalten. Später musste er Zwangsarbeit leisten.

Im Februar 1945 deportierten die Nationalsozialisten Hanns Kaplan in das Ghetto Theresienstadt. Es war der letzte Deportationszug aus dem Bezirk Dresden. Nach der Befreiung lebte er in Leipzig. Gemeinsam mit Max Schmoll kümmerte er sich nach dem Krieg um die Erinnerung an die jüdische Gemeinde in Annaberg. Sein Sohn Hanns Heinrich starb 1947 an den Folgen der Haft im Konzentrationslager Flossenbürg.

Schützenhaus
Frühe Haftstätte von März 1933 bis unbekannt

heute abgerissen

weitere Informationen über: https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-im-schuetzenhaus-in-annaberg

Geschichte von Marie Richter:
Marie Richter, geb. Zmrzly, wurde am 9. Mai 1907 in Wiesenbad geboren. Sie wuchs mit fünf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf, besuchte acht Jahre die Schule und arbeitete anschließend in einer Strumpffabrik. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Hans Richter kennen. Die beiden heirateten 1931, lebten jedoch weiterhin bei Maries Mutter, da ihre finanziellen Mittel nicht für eine eigene Wohnung ausreichten. Aus der Ehe ging die Tochter Eleonore hervor, geboren am 17. Februar 1930.

Marie Richter war Katholikin und politisch aktiv. Sie engagierte sich im Arbeitersportverein, gehörte dem Kommunistischen Jugendverband (KJV) an und arbeitete bei der „Roten Hilfe“, einer Organisation zur Unterstützung politisch Verfolgter und bedürftiger Menschen. Ihr Ehemann Hans war Mitglied der Kommunistischen Partei.

Anfang März 1933 wurden Marie und Hans Richter verhaftet und im Schützenhaus in Annaberg verhört. Der Überlieferung nach soll Marie geflohen sein und im nahegelegenen Teich den Freitod gewählt haben. Am 19. März 1933 erhielt ihre Familie die Nachricht von ihrem Tod. Marie Richter wurde nur 25 Jahre alt.

Vor dem Gebäude der Gemeindeverwaltung in Wiesenbad erinnert heute ein Gedenkstein an Marie Richter.

Todesmarsch von Neu-Staßfurt nach Annaberg

Beginn: Neu-Staßfurt, AL KZ Buchenwald (11.04.1945)

über das Erzgebirge: Neuhausen, OT Dittersdorf - Olbernhau, OT Oberneuschönberg - Olbernhau - Marienberg, OT Ansprung - Marienberg, OT Zöblitz - Marienberg - Mildenau
Ende im Erzgebirge: Annaberg (08.05.1945)

Gedenkort: Gedenkstein an der B95/B101 (Feldschlösschen-Kreuzung) in Annaberg-Buchholz

Todesmarsch von Mülsen St. Micheln nach Leitmeritz/Litomerice und Theresienstadt/Terezín

Beginn: Mülsen St. Micheln, AL KZ Flossenbürg (13.04.1945)

über das Erzgebirge: Aue-Bad Schlema, OT Niederschlema (84 Tote) - Zschorlau, OT Burkhardtsgrün (1 Toter) - Eibenstock, OT Blauenthal - Eibenstock, OT Wolfsgrün

Ende: KZ Außenlager Leitmeritz (KZ Flossenbürg) / Theresienstadt (17.04.1945)

Gedenkort: Denkmal am Kohlweg in Schlema und Informationstafel

Link zu: Gedenkplätze - Todesmarsch 65

Link zu: Projekt DenkMal! Todesmarsch Mülsen - Eibenstock 

 

KZ-Aussenlager Aue (KZ Flossenbürg)
ehem. SS-Führerschule auf dem Heidelsberg

Betreiber: Reichausbildungslager Elbe IV
Dauer des Bestehens: 24.11.1944 - Ende April 1945
Häftlinge: 20 ungarische Männer
"Evakuierung": mit LKW über Wildenthal nach Karlsbad/Karlovy Vary, danach Anschluss an Evakuierungskolonne nach Theresienstadt/Terezín (05.05.1945)

kein Gedenkort

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/aue

David Thorn, geb. 1865 in Krakau/Krakow (Galizien) 

1938: im KZ Buchenwald ermordet 
2013: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Rosette Thorn (geb. Rosenthal), geb. 1867 in Sagan (Schlesien)

1942: ins Ghetto/KZ Theresienstadt deportiert, im Vernichtungslager ermordet 
2013: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Max Schüftan, geb. 1894 in Neumittelwalde (Schlesien) 

1943: ab Berlin ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, dort ermordet 
2013: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Betty Schüftan (geb. Thorn), geb. 1897 in Tzschecheln (Brandenburg) 

1943: ab Berlin ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, dort ermordet 
2013: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Rosa Hertha Kreinberg (geb. Thorn), geb. 1902 in Tzschecheln (Brandenburg) 

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, Schicksal unbekannt
2013: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Dieter Kreinberg, geb. 1928
Sohn von Rosa Hertha Kreinberg 

1941: verstarb an Nierenversagen im damaligen Krankenhaus Aue 
2024: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Gerda Kaiser, geb. 1910 in Aue oder Schwarzenberg 

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, Schicksal unbekannt 
2016: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Bernd Ludwig Kaiser, geb. 1915 

1937: Flucht nach Palästina 
2016: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Lina Kaiser (geb. Drucker), geb. 1880 in Neuruppin (Brandenburg) 

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, Schicksal unbekannt 
2016: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aue

Erich Alwin Weidlich, geb. 1905 in Aue
KPD-Mitglied

1933/34: "Schutzhaft" in mehreren Frühen KZs in Aue, Zwickau, Zschorlau

Sicherheitspolizeikaserne
Frühe Haftstätte März/April 1933 

heute Gebäude ohne Nutzung

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-in-der-sicherheitspolizeikaserne-aue

Arbeiterturnhalle, Schloss, Gefängniszellen
Frühe Haftstätten von März 1933 bis unbekannt

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-augustusburg

Todesmarsch von Berga/Elster nach Theresienstadt/Terezín und Manetin

Beginn: Berga/Elster, AL KZ Buchenwald (10.-12.04.1945)

über das Erzgebirge: Zschorlau, OT Albernau - Bockau - Eibenstock, OT Sosa (11 Tote) - Breitenbrunn, OT Steinheidel (7 Tote) - Breitenbrunn - Breitenbrunn, OT Rittersgrün (1 Tote/r) - Johanngeorgenstadt

Ende: Theresienstadt/Terezín und Manetin

Gedenkort: Gedenkstein am Fällbacher Kreuz in Erlabrunn

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-8

Todesmarsch von Berga/Elster nach Theresienstadt/Terezín und Manetin

Beginn: Berga/Elster, AL KZ Buchenwald (10.-12.04.1945)

über das Erzgebirge: Zschorlau, OT Albernau - Bockau - Eibenstock, OT Sosa (11 Tote) - Breitenbrunn, OT Steinheidel (7 Tote) - Breitenbrunn - Breitenbrunn, OT Rittersgrün (1 Tote/r) - Johanngeorgenstadt

Ende: Theresienstadt/Terezín und Manetin

Gedenkort: Gedenkstein am Fällbacher Kreuz in Erlabrunn

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-8

Link zu: Unantastbar Mensch

 

Willy Steinbach, geb. 1904 in Claußnitz, gest. 1981 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
KPD-Mitglied

1935: "Schutzhaft" im KZ Sachsenburg

Max Niklas, geb. 1905
Abgeordneter in Stadtverordnetenversammlung in Ehrenfriedersdorf

1933: verhaftet
1933: Emigration in die Tschechoslowakei
1935: von Geheimen Staatspolizei Sachsen in der Nähe Altenberg im Kampf tödlich verletzt

Gedenkort: verwitterter Gedenkstein und Informationstafel

https://gedenkplaetze.info/biografien/max-niklas

Todesmarsch von Lengenfeld/V. ins Umfeld von Staré Sedlišt und Haid/Bor

Beginn: Lengenfeld, V. , AL KZ Flossenbürg (13.04.1945)

über das Erzgebirge: Stützengrün (8 Tote) - Schönheide (32 Tote) - Eibenstock (23 Tote) - Eibenstock, OT Wildenthal (17 Tote) - Johanngeorgenstadt (23 Tote / Übernachtung)

Ende: Umfeld von Staré Sedlišt und Haid/Bor (23.-26.04.1945)

Gedenkorte: Mahnmal auf dem Friedhof Eibenstock, Mahnmal an der B283 Eibenstock, Mahnmal an der Karlsbader Straße Eibenstock

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-55

Todesmarsch von Lengenfeld/V. ins Umfeld von Staré Sedlišt und Haid/Bor

Beginn: Lengenfeld, V. , AL KZ Flossenbürg (13.04.1945)

über das Erzgebirge: Stützengrün (8 Tote) - Schönheide (32 Tote) - Eibenstock (23 Tote) - Eibenstock, OT Wildenthal (17 Tote) - Johanngeorgenstadt (23 Tote / Übernachtung)

Ende: Umfeld von Staré Sedlišt und Haid/Bor (23.-26.04.1945)

Gedenkorte: Mahnmal auf dem Friedhof Eibenstock, Mahnmal an der B283 Eibenstock, Mahnmal an der Karlsbader Straße Eibenstock

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-55

Todesmarsch von Berga/Elster nach Theresienstadt/Terezín und Manetin

Beginn: Berga/Elster, AL KZ Buchenwald (10.-12.04.1945)

über das Erzgebirge: Zschorlau, OT Albernau - Bockau - Eibenstock, OT Sosa (11 Tote) - Breitenbrunn, OT Steinheidel (7 Tote) - Breitenbrunn - Breitenbrunn, OT Rittersgrün (1 Tote/r) - Johanngeorgenstadt

Ende: Theresienstadt/Terezín und Manetin

Gedenkort: Gedenkstein am Fällbacher Kreuz in Erlabrunn

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-8

Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

* Der Todesmarsch führte durch die Ortschaften Mülsen, Ortmannsdorf, Zschocken, Hartenstein, Schlema, Schneeberg, Zschorlau bis Wolfsgrün

* Am 15. April erreichte der Todesmarsch den Bahnhof Wolfsgrün, wo die Gefangenen in einen Güterzug verladen wurden. 

* Informationstafel

Link zu: Projekt DenkMal! Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

Emma Salomon (geb. Neumann), geb. 1864 in Küstrin (Brandenburg)
Mutter von Bertha Fleischer

1942: ins Ghetto/KZ Theresienstadt deportiert, im Vernichtungslager Treblinka ermordet
2025: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eibenstock

Harry Fleischer, geb. 1889 in Göritz (Brandenburg) 

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet 
2025: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eibenstock

Bertha Fleischer (geb. Salomon), geb. 1895 in Körlin (Pommern) 
Tochter von Emma Salomon

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet 
2025: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eibenstock

Louis Levy, geb. 1871 

1940: verstorben vermutlich an den Folgen der "Schutzhaft" in einem Krankenhaus in Berlin 
2025: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eibenstock

Helene Rosen (geb. Levy), geb. 1910 

1936: Flucht über die Tschechoslowakei in die USA 
2025: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eibenstock

Erwine Levy (geb. Schönbaum), geb. 1873 

1943: Selbstmord im sog. Judenhaus in Plauen nach Verhören durch die Gestapo 
2025: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eibenstock

Amtsgerichtsgefängnis
Frühe Haftstätte von März 1933 bis unbekannt

heute Kindergarten

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-im-amtsgerichtsgefaengnis-in-eibenstock

KZ-Aussenlager Flöha (KZ Flossenbürg)
Firma Tüllfabrik Flöha AG

Betreiber: Erla Maschinenwerk GmbH Leipzig
Dauer des Bestehens: 18.03.1944 - 14.04.1945
Häftlinge: 700 Männer
"Evakuierung": siehe Todesmarsch (27)

Gedenkort: Mahnmal an der leerstehende Fabrik

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/floeha

Willy Uhlmann, geb. 1903 in Schellenberg, gest. 1978 in Erlabrunn
KPD-Mitglied

1933: "Schutzhaft" in mehreren Frühen KZs in Plaue, Sachsenburg

Arbeiterturnhalle
Frühe Haftstätte von März bis Juni 1933

Gedenkort: Gedenktafel an Kultur- und Sportstätte

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-in-der-arbeiterturnhalle-in-plaue

Friedhofsweg 1, 02708 Großschweidnitz, Deutschland

Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

* Der Todesmarsch führte durch die Ortschaften Mülsen, Ortmannsdorf, Zschocken, Hartenstein, Schlema, Schneeberg, Zschorlau bis Wolfsgrün. 

* Informationstafel

Link zu: Projekt DenkMal! Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

 

Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

* Der Todesmarsch führte durch die Ortschaften Mülsen, Ortmannsdorf, Zschocken, Hartenstein, Schlema, Schneeberg, Zschorlau bis Wolfsgrün. 

* Informationstafel

Link zu: Projekt DenkMal ! Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

Todesmarsch aus Johanngeorgenstadt nach Leitmeritz/Litomerice und Theresienstadt/Terezín

Beginn im Erzgebirge: Johanngeorgenstadt, AL KZ Flossenbürg (16.04.1945)

Ende: KZ-Außenlager Leitmeritz (KZ Flossenbürg) und Theresienstadt/Terezín(05.05.1945)

Gedenkort: Gedenkanlage auf Friedhof Johanngeorgenstadt, Gedenktafel an ehem. Möbelfabrik (heute abgerissen)

KZ-Aussenlager Johanngeorgenstadt (KZ Flossenbürg)
ehem. Möbelfabrik

Betreiber: Erla Maschinenwerk GmbH Leipzig
Dauer des Bestehens: 01.12.1943 - 16.04.1945
Häftlinge: über 1000 Männer, darunter deutsche und tschechische Sinti*zze und Rom*nja
"Evakuierung": mit Bahn nach Neurohlau (Nová Role), dann zu Fuß nach Leitmeritz/Litomerice und Theresienstadt/Terezín (08.05.1945)

Gedenkort: Gedenkanlage auf Friedhof Johanngeorgenstadt, Gedenktafel an ehem. Möbelfabrik existiert (jetzt abgerissenen)

https://gedenkplaetze.info/konzentrationslager/kz-johanngeorgenstadt

Handschuhfabrik American Glove
Geschäftsführer:Max Lewinsohn

1912: Geschäftsgründung
1939: "Arisierung" des Unternehmens 
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Johanngeorgenstadt

Ludwig Hermann Lewinsohn, geb. 1881 in Johanngeorgenstadt 

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, für tot erklärt 
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Johanngeorgenstadt

Elisabeth Lewinsohn-Pelzer, geb. 1918 in Karlovy Vary 

1941: ins Ghetto/KZ Theresienstadt 
1944: ins KZ Auschwitz deportiert, im KZ Stutthof ermordet 
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Johanngeorgenstadt

Max Lewinsohn, geb. 1921 in Karlovy Vary

1939: Flucht nach England
1945: als englischer Soldat in Oldenburg für tot erklärt
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Johanngeorgenstadt

Fanny Lewinsohn, geb. 1885 in Cheb

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, für tot erklärt
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Johanngeorgenstadt

Amtsgerichtsgefängnis
Frühe Haftstätte von März 1933 bis unbekannt

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-im-amtsgerichtsgefaengnis-in-johanngeorgenstadt

Oskar Salzmann
Wehrmachtssoldat

1945: Verweigerung eines Befehls, denunziert, ermordet

https://gedenkplaetze.info/endphaseverbrechen/erschiessungsort-oskar-salzmann

KZ-Aussenlager Lengenfeld (KZ Flossenbürg)

Betreiber: Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Dessau, Zweigwerk Werk Magdeburg-Neustadt
Dauer des Bestehens: 09.10.1944 - 13.04.1945
Häftlinge: 978, davon 84 Juden
"Evakuierung": siehe Todesmarsch (55)

Gedenkorte: Pylone auf Friedhof Lengenfeld, Gedenkstätte für die Opfer des Lagers auf Fundament einer Baracke

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/lengenfeld

Arbeiterturnhalle
Frühe Haftstätte März/April 1933 

heute Sportlerheim

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-in-der-arbeiterturnhalle-in-leubsdorf

Samuel Joseph, geb. 1869 in Miloslaw (Polen)

1942: ins Ghetto/KZ Theresienstadt, ins Vernichtungslager Treblinka deportiert, für tot erklärt
2020: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_L%C3%B6%C3%9Fnitz

Dr. Heinrich Joseph, geb. 1897

1938: ins KZ Buchenwald deportiert
1939: Flucht nach Brasilien
2020: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_L%C3%B6%C3%9Fnitz

Dora Joseph (geb. Kohn), geb. 1909

1937: Flucht nach Brasilien
2020: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_L%C3%B6%C3%9Fnitz

Todesmarsch von aus Kittlitztreben ins KZ Buchenwald

Beginn: Kittlitztreben, AL KZ Groß Rosen (09.02.1945)

über das Erzgebirge: Gornau - Amtsberg, OT Weißbach - Burkhardtsdorf, OT Kemtau - Burkhardtsdorf - Neukirchen, OT Adorf (9 Todesfälle) - Lugau, OT Erlbach-Kirchberg (6 Todesfälle)

Ende: KZ Buchenwald (04.04.1945)

Gedenkort: Friedhof Erlbach-Kirchberg

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-37

Messingwerk
Frühe Haftstätte von März bis Juni 1933

heute abgerissen

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-im-messingwerk-in-lugau

Todesmarsch von Flöha nach Leitmeritz/Litomerice und Theresienstadt/Terezín

Beginn: Flöha, AL KZ Flossenbürg (15.04.1945)

über das Erzgebirge: Wolkenstein, OT Heinzebank - Marienberg, OT Gelobtland (56 Tote) - Marienberg, OT Reitzenhain

Ende: KZ Außenlager Leitmeritz (KZ Flossenbürg) und Theresienstadt (06.05.1945)

Gedenkort: Gedenkstein an B174 in Gelobtland

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-27

Todesmarsch von Tröglitz/Rehmsdorf nach Theresienstadt/Terezín

Beginn: mit Bahn von Tröglitz/Rehmsdorf, AL KZ Buchenwald (8.04.1945)

über das Erzgebirge: Pockau-Lengefeld - Marienberg, OT Gelobtland (144 Tote) - Marienberg, OT Reitzenhain (218 Tote)

Ende: zu Fuß nach Theresienstadt/Terezín

Gedenkort: Ehrenhain an der B174 links der Straße am ehem. Bahnhof Gelobtland, ca. 50 m im Wald

KZ-Aussenlager Mülsen St. Micheln (KZ Flossenbürg)
Textilfabrik

Betreiber: Erla Maschinenwerk GmbH Leipzig
Dauer des Bestehens: 27.01. - 13.04.1945
Häftlinge: über 1.100
Todesmarsch (65): Mülsen - Leitmeritz

Gedenkort: Gedenkstein und Informationstafel gegenüber der Textilfabrik

Link zu: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Link zu: Projekt DenkMal! Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

* Der Todesmarsch führte durch die Ortschaften Mülsen, Ortmannsdorf, Zschocken, Hartenstein, Schlema, Schneeberg, Zschorlau bis Wolfsgrün. 

* erste Übernachtung der ca. 770 Gefangenen war auf freiem Feld in Ortsmannsdorf

* heute Informationstafel

Link zu: Projekt DenkMal! Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

 

Todesmarsch von Neu-Staßfurt nach Annaberg

Beginn: Neu-Staßfurt, AL KZ Buchenwald (11.04.1945)

über das Erzgebirge: Neuhausen, OT Dittersdorf - Olbernhau, OT Oberneuschönberg - Olbernhau - Marienberg, OT Ansprung - Marienberg, OT Zöblitz - Marienberg - Mildenau
Ende im Erzgebirge: Annaberg (08.05.1945)

Gedenkort: Ehrenhain im Neuhausener Ortsteil Dittersbach

Todesmarsch von Kittlitztreben ins KZ Buchenwald

Beginn: Kittlitztreben, AL KZ Groß Rosen (09.02.1945)

über das Erzgebirge: Gornau - Amtsberg, OT Weißbach - Burkhardtsdorf, OT Kemtau - Burkhardtsdorf - Neukirchen, OT Adorf (9 Todesfälle) - Lugau, OT Erlbach-Kirchberg (6 Todesfälle)

Ende: KZ Buchenwald (04.04.1945)

Gedenkort: Gedenkstein auf Friedhof Adorf, seit 2015 Skulptur in Ortsmitte vor Vereinshaus

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-37

KZ-Aussenlager Oederan (KZ Flossenbürg)
Nähfadenfabrik Kabis

Betreiber: DKK GmbH Scharfenstein, Tochtergesellschaft Auto Union AG Chemnitz
Dauer des Bestehens: 12.09.1944 - 14.04.1945
Häftlinge: 500 Jüdinnen aus Auschwitz-Birkenau
"Evakuierung": mit Bahn nach Leitmeritz/Litomerice und Theresienstadt/Terezín (21.04.1945)

Gedenkort: Gedenktafel an Fabrik

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/oederan

Sparkasse/ Gefängniszellen Polizeigefangenhaus
Frühe Haftstätte von März bis Juni 1933

Gedenkort: Gedenktafel an der Sparkasse, Ehrenmal der Opfer jeglicher Gewalt

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-in-den-gefaengniszellen-der-sparkasse-in-oelsnitz-erzgebirge

Ididio Estersohn, geb. 1897 in Grajewo (Polen)

1940: Flucht nach Belgien, interniert
1942: ins KZ Auschwitz deportiert, ermordet
2014: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Malka Lawenda (geb. Estersohn), geb. 1889 in Grajewo (Polen) 

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet
2014: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Nora Lawenda, geb. 1932 in Dresden

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet
2014: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Ruth Lawenda, geb. 1929 in Olbernhau

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet
2014: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Philipp Lawenda, geb. 1921 in Olbernhau

1942: in die Tötungsanstalt Bernburg deportiert, ermordet
2014: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Luba Lawenda, geb. 1915

1933: Flucht nach Palästina
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Sara Tannenbaum (geb. Lawenda), geb. 1904

1933: Flucht nach Palästina
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Max Lawenda, geb. 1923

1938: Flucht nach Palästina,
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Berta Lawenda (geb. Ostregger), geb. 1913

1939: Flucht nach Palästina
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Erich Lawenda/Zvi Nitza, geb. 1924

1939: Flucht nach Palästina
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Zalko Lawenda, geb. 1905

1939: Flucht nach Palästina

Ester Charlotte Lawenda, geb. 1938

1939: Flucht nach Palästina
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Dina Lawenda, geb. 1911

Flucht, in Brest Litovsk, Weissrussland (Belarus) ermordet
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Chana Zylberstein (geb. Lawenda), geb. 1901 in Grajewo (Polen) 

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Sonja Esther Zylberstein, geb. 1935 in Plauen

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet
2015: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Hugo Franz, geb. 1888
Widerstand

1944: verhaftet, im KZ Neuengamme ermordet
2014: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Olbernhau

Pflegeheim Olbernhau
1940-41 sog. Zwischenanstalt

76 Patienten wurden im Rahmen der „Aktion T4“ in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein verlegt und dort in der Gaskammer ermordet.
2015: Stolperschwelle

Link zu: Liste der Stolpersteine in Olbernhau

KZ-Aussenlager Penig (KZ Buchenwald)

Betreiber: Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Dessau
Dauer des Bestehens: 17.01.1945 - 13.04.1945
Häftlinge: 700 Jüdinnen
"Evakuierung": siehe Todesmarsch (71+1)

Gedenkort: Gedenkstein und Informationstafel am Weg zum ehemaligen Lager

https://erinnerungsort-penig.de/

Spinnerei Textilia GmbH, damaliger Sitz in Herold, Erzgebirge
Frühes KZ von Mai 1933 bis September 1937

Gedenkort: Gedenkstätte KZ Sachsenburg

Link zur: Gedenkstätte Sachsenburg

Link zu: Gedenkplätze

Link zu: Pfad der Erinnerung

Eva Esther Scheinik, geb. 1886

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, verschollen
2003: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Schneeberg

KZ-Aussenlager Schönheide (KZ Flossenbürg)
Textildruck Arlt

Betreiber: Firma R. Fuess, Berlin-Steglitz
Dauer des Bestehens: 21.02. - 13.04.1945
Häftlinge: 50 Männer
"Evakuierung": zu Fuß nach Johanngeorgenstadt und zurück, dann siehe Todesmarsch (55)

Gedenkort: Denkmal für Opfer der Todesmärsche auf Friedhof Schönheide

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/schoenheide

Todesmarsch von Wolkenburg ins KZ Dachau

Beginn: Wolkenburg , AL KZ Flossenbürg (13.04.1945)

über das Erzgebirge: Hohndorf - Stollberg, Hoheneck - Zwönitz - Grünhain - Beierfeld - Schwarzenberg (Verladung mit Ziel KZ Dachau) - Johanngeorgenstadt

Ende: KZ Dachau (03.05.1945)

kein Gedenkort in Schwarzenberg

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-95

Hans Riedel, geb. 1907, gest. 1988
KPD-Mitglied 

1933/34: nach Hausarrest ins Polizei- und Gestapogefängnis in Leipzig, dann "Schutzhaft" in mehreren Frühen KZs in Schloss Colditz, Sachsenburg, Burg Hohnstein

https://gedenkstaette-sachsenburg.de/biografien/hans-riedel/

Paul Willy Korb, geb. 1904 in Schwarzenberg, gest. 2002 ebenda
kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

1933-1936: "Schutzhaft" in mehreren Frühen KZs in Zschorlau, Sachsenburg

https://saebi.isgv.de/biografie/Paul_Korb_(1904-2002)

Sportheim
Frühe Haftstätte von März bis Mai 1933

heute Hotel „Am Hohen Hahn"

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-sportheim-in-bermsgruen

Zwangsarbeit in Schwarzenberg

Firmen: Tiefbaufirma Metzner in Schwarzenberg, Beierfelder Metallwarenfabrik Hermann Nier
Zwangsarbeiter*innen: zivile Arbeiter*innen und sowjetische Kriegsgefangene
Unterbringung: Alte Schmiede im Adlersteinbruch

Gedenkort: Gedenkstein für die sowjetischen Opfer auf dem Georgenfriedhof in Schwarzenberg

Willy Irmisch, 1898 in Venusberg, gest. 1974 in Erlabrunn

1933: "Schutzhaft" in mehreren Frühen Haftstätten - Schloss Osterstein, Zwickau und Zschorlau

https://saebi.isgv.de/biografie/Willy_Irmisch_(1898-1974)

Ernst Rietzsch, 1886 in Kirchberg
Bürgermeister in Schwarzenberg

1934: SA-Mitglied
1937: Mitglied NSDAP
1941: Wehrmacht in Weissrussland und Frankreich
1946: wegen Verbrechen in Weissrussland angeklagt, verurteilt und in Dresden hingerichtet
1994: trotz Beteiligung Kriegsverbrechen rehabilitiert

https://saebi.isgv.de/biografie/Ernst_Rietzsch_(1886-1946)

Friedrich Emil Krauß, geb. 1895 in Schwarzenberg, gest. 1977 in Stuttgart
Firmeninhaber der Kraußwerke-Metallwarenfabrik in Schwarzenberg

1933: Mitglied der NSDAP
1934: Kreiskulturwart im Kreis Aue
1935: Vorsitzender des Heimatwerks Sachsens, enge Zusammenarbeit mit Gauleiter Mutschmann
1937/38: Organisation der Feierohmd-Schau 
1939-45: Beschäftigung von ca. 300  ausländischen Zwangsarbeitern im Betrieb
1945: enteignet, verhaftet
1950: Waldheimer Prozesse (12 Jahre Haft)
1954: aus Haft entlassen und in BRD ausgewiesen

Alfred Kempe, geb. 1898 in Stollberg, gest. 1945 im KZ Dachau
KPD-Mitglied

1933: "Schutzhaft" in mehreren Frühen KZs in Hoheneck, Oelsnitz, Sachsenburg

https://www.stsg.de/cms/dokstelle/historische-themen/fruehe-ns-kz-sachsen-1933-1937/alfred-kempe

Amtsgerichtsgefängnis
Frühe Haftstätte März/April 1933

heute Amtsgericht

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-im-amtsgerichtsgefaengnis-in-stollberg

Landeshaftanstalt Hoheneck
Frühe Haftstätte von März bis Juni 1933

Gedenkort: Gedenkstätte

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-in-der-landeshaftanstalt-hoheneck-in-stollberg

Todesmarsch von Lengenfeld/V. ins Umfeld von Staré Sedlišt und Haid/Bor

Beginn: Lengenfeld, V. , AL KZ Flossenbürg (13.04.1945)

über das Erzgebirge: Stützengrün (8 Tote) - Schönheide (32 Tote) - Eibenstock (23 Tote) - Eibenstock, OT Wildenthal (17 Tote) - Johanngeorgenstadt (23 Tote / Übernachtung)

Ende: Umfeld von Staré Sedlišt und Haid/Bor (23.-26.04.1945)

GedenkorteGedenkort an der Schönheider Straße in Stützengrün, Gedenkstein auf dem Friedhof Stützengrün

https://gedenkplaetze.info/todesmaersche/todesmarsch-55

Marie Richter, geb. Zmrzly, wurde am 9. Mai 1907 in Wiesenbad geboren. Sie wuchs mit fünf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf, besuchte acht Jahre die Schule und arbeitete anschließend in einer Strumpffabrik. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Hans Richter kennen. Die beiden heirateten 1931, lebten jedoch weiterhin bei Maries Mutter, da ihre finanziellen Mittel nicht für eine eigene Wohnung ausreichten. Aus der Ehe ging die Tochter Eleonore hervor, geboren am 17. Februar 1930.

Marie Richter war Katholikin und politisch aktiv. Sie engagierte sich im Arbeitersportverein, gehörte dem Kommunistischen Jugendverband (KJV) an und arbeitete bei der „Roten Hilfe“, einer Organisation zur Unterstützung politisch Verfolgter und bedürftiger Menschen. Ihr Ehemann Hans war Mitglied der Kommunistischen Partei.

Anfang März 1933 wurden Marie und Hans Richter verhaftet und im Schützenhaus in Annaberg verhört. Der Überlieferung nach soll Marie geflohen sein und im nahegelegenen Teich den Freitod gewählt haben. Am 19. März 1933 erhielt ihre Familie die Nachricht von ihrem Tod. Marie Richter wurde nur 25 Jahre alt.

Vor dem Gebäude der Gemeindeverwaltung in Wiesenbad erinnert heute ein Gedenkstein an Marie Richter.

Todesmarsch von Venusberg ins KZ Mauthausen

Beginn im Erzgebirge: Venusberg , AL KZ Flossenbürg (13.-15.04.1945) - Willischthal - Annaberg

Ende: KZ Mauthausen (28./29.04.1945)

Gedenkorte: Denkmal für verstorbene Frauen und Zwangsarbeiter an Stelle ehem. Massengrabes in Waldschneise, Gedenktafel an der Spinnerei am Ortsausgang Richtung Gelenau (seit 2025)

KZ-Aussenlager Venusberg (KZ Flossenbürg)
Spinnerei Gebr. Schüller

Betreiber: Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Dessau, Zweigwerk Kassel
Dauer des Bestehens: 15.01. - 13./14.04.1945
Häftlinge: 500 ungarische Jüdinnen aus Ravensbrück, 500 Frauen aus Bergen-Belsen
"Evakuierung": mit Bahn über - Annaberg nach Mauthausen (28./29.04.1945)

Gedenkorte: Denkmal für verstorbene Frauen und Zwangsarbeiter an Stelle ehem. Massengrabes in Waldschneise, Gedenk- und Informationstafel vor der Spinnerei am Ortsausgang Richtung Gelenau (seit 2025)

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/venusberg

Todesmarsch von Wilischthal nach Leitmeritz/Litomerice und Theresienstadt/Terezín

Beginn im Erzgebirge: Wilischthal, AL KZ Flossenbürg (14.04.1945) - Zschopau - Willischthal - Annaberg

Ende: KZ-Außenlager (Flossenbürg) Leitmeritz/Litom??ice und Theresienstadt/Terezín (21./22.04.1945)

kein Gedenkort in Wilischthal, Gedenkstein für die Opfer des Außenlagers auf dem Friedhof Zschopau

KZ-Aussenlager Wilischthal (KZ Flossenbürg)
ehem. Fabrikgebäude der stillgegten Textilfabrik MAFRASA

Betreiber: DKK GmbH, Tochtergesellschaft Auto Union AG
Dauer des Bestehens: 30.10.1944 - 13./14.04.1945
Häftlinge: 300 Jüdinnen aus Auschwitz-Birkenau
"Evakuierung": zu Fuß nach Zschopau (Übernachtung), zu Fuß zurück nach Wilischthal, mit Zug über Annaberg nach Theresienstadt/Terezín (21./22.04.1945)

Gedenkort: vor Ort kein Gedenkort, Gedenkstein für Opfer des Lagers auf Friedhof Zschopau

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/wilischthal

Otto Schlesinger, geb. 1884 in Breslau/Wroclaw
Geschäftsführer der Marschel Frank Sachs AG (Mafrasa AG)

1934: antisemitischer Übergriff eines SA-Trupps und Entführung 
1938: "Arisierung" der Mafrasa AG, Ausscheiden der Mitglieder der Gründungsfamilien
1938: Emigration des Ehepaars Schlesinger nach Brasilien und des Sohns, Kurt Schlesinger, nach Großbritannien
1940: in Rio de Janeiro verstorben

KZ-Aussenlager Wolkenburg (KZ Flossenbürg)
Gebäude in der Baumwollspinnerei

Betreiber: Opta Radio Berlin GmbH
Dauer des Bestehens: 22.08.1944 - 13.04.1945
Häftlinge: 147 Frauen vom KZ Ravensbrück, 150 Frauen vom KZ Auschwitz-Birkenau, 100 Frauen vom KZ Bergen-Belsen, darunter ein Drittel Sinti- und Roma-Frauen
"Evakuierung": Fußmarsch über Stollberg/Hoheneck (Übernachtung), Schwarzenberg (Bahnverladung), Johanngeorgenstadt (Übernachtung) in Richtung Flossenbürg (Verweigerung der Aufnahme), über Regensburg nach Dachau (03.05.1945) - siehe auch Todesmarsch (95)

Gedenkort: Grabstein und Gedenkstein auf dem Friedhof Wolkenburg

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/wolkenburg

https://verortungen.de/tatorte/wolkenburg-kz-aussenlager/

Todesmarsch von Zschopau nach Leitmeritz/Litomerice und Theresienstadt/Terezín

Beginn im Erzgebirge: Zschopau, AL KZ Flossenbürg (15.04.1945) - Wilischthal - Annaberg

Ende: KZ-Außenlager Leitmeritz (KZ Flossenbürg) und Theresienstadt (21./22.04.1945)

Gedenkort: Gedenkstein für die Opfer des Außenlagers auf dem Friedhof Zschopau

KZ-Aussenlager Zschopau (KZ Flossenbürg)
DKW-Werk

Betreiber: Auto Union AG
Dauer des Bestehens: 21.11.1944 - 15.04.1945
Häftlinge: 500 Jüdinnen aus Auschwitz-Birkenau
"Evakuierung": zu Fuß nach Willischthal, mit Zug über Annaberg nach Theresienstadt/Terezín (21./22.04.1945)

Gedenkort: Gedenkstein für Opfer des Lagers auf Friedhof Zschopau

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/zschopau

Alfred Hirsch, geb. 1897 in Graudenz (Westpreußen)

1939: von Berlin ins Ghetto Riga deportiert, ermordet
2009: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Zschopau

Elli Fullmann

1945: Elli Fullmann rettete in den letzten Kriegsmonaten der französischen Jüdin Odette Spingarn aus dem Außenlager Zschopau des KZ Flossenbürg das Leben.
1981: Anerkennung als Gerechte unter den Völkern in Yad Vashem

Charlotte Hirsch (geb. Messerschmidt), geb. 1899 in Berlin 

1939: von Berlin ins Ghetto Riga deportiert, ermordet
2009: Stolperstein

Link zur: Liste der Stolpersteine in Zschopau 

Frieda Irma Rosa Motulsky (geb. Luchtenstein), geb. 1892 in Wurzen

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet
2009: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Zschopau

Emil Motulsky, geb. 1887 in Angerburg (Ostpreußen)

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet
2009: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Zschopau

Ludwig Motulsky, geb. 1928 in Zschopau

1942: ins Ghetto Belzyce deportiert, ermordet
2009: Stolperstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Zschopau

Todesmarsch von Mülsen St. Micheln nach Leitmeritz/Litomerice und Theresienstadt/Terezín

Beginn: Mülsen St. Micheln, AL KZ Flossenbürg (13.04.1945)

über das Erzgebirge: Aue-Bad Schlema, OT Niederschlema (84 Tote) - Zschorlau, OT Burkhardtsgrün (1 Toter) - Eibenstock, OT Blauenthal - Eibenstock, OT Wolfsgrün

Ende: KZ-Außenlager Leitmeritz (KZ Flossenbürg) und Theresienstadt (17.04.1945)

Gedenkort: Informationstafel

Link zu: Gedenkplätze Todesmarsch 65

Link zu: Projekt DenkMal! Todesmarsch Mülsen - Eibenstock

 

 

Fabrik August Wellner und Söhne
Frühe Haftstätte von April bis Juli 1933 

heute abgerissen,
Gedenkort: Denkmal der Opfer des Faschismus

https://gedenkplaetze.info/machtetablierung/fruehes-konzentrationslager-in-der-fabrik-wellner-und-soehne-in-zschorlau

KZ-Aussenlager Zwickau (KZ Flossenbürg)

Betreiber: Auto Union AG, Werk Horch Zwickau
Dauer des Bestehens: 30.08.1944 - 14.04.1945
Häftlinge: 1167 Männer, darunter 60 ungarische Juden
"Evakuierung": zu Fuß in Richtung Lengenfeld, danach siehe Todesmarsch (55)

Gedenkort: im Zwickauer Stadtpark »Mahnmal für die Opfer des Faschismus« (ohne Hinweis auf KZ Außenlager)

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/zwickau

https://www.stsg.de/cms/dokstelle/zwickau

Ida Theseria Auerswald, geb. 1877

1940: vom Pflegeheim Jahnsdorf ’verlegt’ in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, ermordet
2018: Stolperstein

Link zu: Stolperstein erinnert in Brünlos

 

Zwangsarbeit in Zwoenitz

Firma: Elbtalwerke-Elektrizitäts AG, Werk Zwönitz (Hauptwerk in Heidenau bei Dresden)
Zwangsarbeiter*innen: zivile Arbeiter*innen, Kriegsgefangene, Strafgefangene

Zwangsarbeit in Zwoenitz

Graeber für:
* Wladzimir Zlotko aus Polen, gest. 1941, Landarbeiter in Lenkersdorf
* Oleksander Olejnik aus der Ukraine, gest. 1942, Landarbeiter im Stadtgut Zwönitz
* Wassilios Grigorios Wlachopolos aus Griechenland, gest. 1942, Arbeiter in einer Schuhfabrik

Katharina Peters, geb. 1897 in Leimen

1943: festgenommen wegen "volksverhetzenden" Äußerungen im Kino
1944: im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet

https://www.frauen-im-widerstand-33-45.de/biografien/biografie/peters-katharina/p-10/m-1

Die Judenverfolgung erreichte nach den Novemberpogromen 1938 eine neue Intensität. Betroffen waren nicht nur die großen Städte in Sachsen: Auch jüdische Geschäfte und Kaufhäuser in mehr als 50 kleineren Orten, darunter das Schocken-Kaufhaus in Lugau, Oelsnitz und Aue, wurden zerstört oder geplündert. Viele Geschäftsinhaber wurden in „Schutzhaft“ genommen und in Konzentrationslager verschleppt, so auch Samuel Joseph aus Lößnitz, der dort ein Bekleidungsgeschäft betrieb. Er kam ins KZ Buchenwald, später nach Theresienstadt und Treblinka.

Jüdische Einwohner*innen wurden zunehmend entrechtet, wirtschaftlich ausgeschaltet und zur Emigration oder zum Wegzug gezwungen. So emigrierte Dr. Heinrich Joseph aus Lößnitz 1939 mit seiner Frau nach Brasilien. Sein Vater, Samuel Joseph, jedoch sollte den Holocaust nicht überleben. Synagogen und Gebetssäle wurden zerstört oder geschlossen, Geschäfte „arisiert“ und jüdische Familien durch Schikanen, Gewalt und staatliche Repression isoliert. Zwischen 1942 und 1945 folgten Deportationen in Ghettos und Vernichtungslager, die in den meisten Gemeinden des Erzgebirges das endgültige Ende jüdischen Lebens bedeuteten.

Die in der digitalen Karte dokumentierten Orte verweisen auf Spuren dieser Verfolgung – Wohnstätten, Arbeitsorte, Stätten der Gewalt – und machen individuelle Schicksale im lokalen Stadtbild sichtbar. Seit 2003 wurden in einigen Städten des Erzgebirges Stolpersteine verlegt, die überwiegende Mehrzahl jedoch erst in den letzten Jahren. Dieser späte Zeitpunkt zeigt, wie lange die Erinnerung an die jüdischen Opfer der NS-Verfolgung im Erzgebirge nur lückenhaft präsent war.

Beispiel eines Spurensuch-Projekts mit Jugendlichen aus Marienberg und Umgebung (2025)
siehe auch Best Practice: Und was hat das mit mir zu tun? – Lokale Spurensuche in Annaberg-Buchholz und in Terezín
Literatur
  • Cziborra, Pascal (2005): KZ Zschopau. Sprung in die Freiheit. Lorbeer Literaturverlag.
  • Diamant, Adolf (2016): Juden in Annaberg im Erzgebirge (Reprint). Verlag Heimatland Sachsen e. K. Chemnitz.
  • Ristau, Daniel (2018): Bruch|Stücke. Die Novemberpogrome in Sachsen 1938. Hentrich&Hentrich Verlag Berlin Leipzig.
  • Seidel, Bertram und Gabriele und Hilbert, Enrico (2025): Wie Lämmer zur Schlachtbank? Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung Sachsens gegenüber dem NS-Regime 1933 – 1945. Verlag Edition AV, Bodenburg.
  • Sheridan, Kenneth Frank (2002): Entführung 1934. Kidnap the Jew. Buchverlag Irmgard Keil, Marbach.
Webseiten

Um eine Befreiung der Häftlinge durch die heranrückenden Alliierten zu verhindern, räumte die SS in den letzten Kriegswochen 1945 fast alle Konzentrations- und Außenlager. Mit der sog. „Evakuierung“ der Gefangenen sollten zugleich die Verbrechen der Täter verdeckt werden. Die Häftlinge wurden tagelang in überfüllten Güterwaggons transportiert oder zu Fuß durch Städte und Dörfer getrieben. Für die Betroffenen bedeuteten diese Märsche Hunger, Erschöpfung, Gewalt und häufig den Tod.

Mit der Räumung der Lager erreichten die Gewalttaten auch die kleinsten Gemeinden in ganz Deutschland. Für die Durchführung der Todesmärsche war die Unterstützung der lokalen Bevölkerung – etwa die Bereitstellung von Unterkünften in Scheunen – unabdingbar. Mancherorts kam es zu Massakern, deren Opfer vor Ort verscharrt werden mussten, etwa in Niederschlema oder Gelobtland. Zugleich halfen einzelne Menschen Häftlingen, indem sie sie mit Nahrung versorgten, ihnen zur Flucht verhalfen oder sie versteckten – so auch Elli Fullmann, Kriegswitwe mit vier Kindern, die in Zschopau eine geflohene Jüdin aus dem KZ-Außenlager bis zur Befreiung bei sich aufnahm. Nach Kriegsende wurden vielerorts Opfer der Todesmärsche auf Ehrenfriedhöfen bestattet und Gedenksteine errichtet, die heute, 80 Jahre später, erklärender Einordnung bedürfen.

Die digitale Karte soll helfen, Spuren sichtbar zu machen, die im Landschaftsbild kaum noch erkennbar sind. Sie lädt zu einer verantwortungsbewussten Auseinandersetzung mit der regionalen Erinnerungskultur ein und macht deutlich, dass sich das Geschehen von 1945 nicht an abstrakten Orten, sondern mitten in den Gemeinden des Erzgebirges abspielte.

Beispiel für Jugendgeschichtsarbeit mit Jugendlichen aus der Region um Aue-Bad Schlema und Zwickau (2024-2026)
siehe auch Best Practice: „DenkMal!“ – Auf den Spuren des Todesmarsches Mülsen über Eibenstock nach Leitmeritz/Litoměřice
Literatur
  • Brenner, Hans; Heidrich, Wolfgang; Müller, Klaus-Dieter; Wendler, Dietmar (2018): NS-Terror und Verfolgung in Sachsen. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
  • Cziborra, Pascal (2018): KZ Wolkenburg. Todesmarsch nach Dachau. Lorbeer Literaturverlag.
  • Titzmann, Oliver (2024): Massenmord in Niederschlema. Verlag Mike Rockstroh, Aue-Bad Schlema.
  • KGE e. V. Aue-Bad Schlema, und Alter Gasometer, Zwickau: Projekt DenkMal! Der Todesmarsch von Mülsen – Eibenstock im April 1945. Broschüre (2025).
Webseiten

Zur Steigerung der Rüstungsproduktion schuf die SS ab 1944 zusätzlich zu den zentralen Konzentrations- und Vernichtungslagern unzählige Außenlager, in denen Häftlinge unter extremen Bedingungen für kriegswichtige Betriebe arbeiten mussten. Auch im Erzgebirge entstanden in Johanngeorgenstadt, Wilischthal, Aue, Zschopau, Venusberg und Schönheide Außenlager, die vom KZ Flossenbürg verwaltet wurden. Die Gefangenen – überwiegend Jüdinnen und Juden sowie Kriegsgefangene aus vielen europäischen Ländern – waren in Turnhallen, Fabrikgebäuden oder notdürftig errichteten Baracken untergebracht. Kälte, Hunger, Krankheit und Gewalt bestimmten neben der Zwangsarbeit ihren Alltag.
Betreiber der Außenlager im Erzgebirge waren u. a. DKK GmbH, Auto Union AG und Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG, die in stillgelegten Fabriken Flugzeug- oder Waffenteile für die Rüstung fertigen ließen. Damit rückte das System der NS-Verfolgung buchstäblich in die Mitte der Städte und Gemeinden. Viele Bewohner*innen sahen die erschöpften Häftlinge auf dem Weg zur Arbeit oder hörten von den Zuständen in den Lagern – sichtbare Zeichen der NS-Verbrechen im unmittelbaren Umfeld.
In den letzten Kriegswochen wurden auch die Außenlager im Erzgebirge hastig geräumt. Häftlinge wurden auf Gewaltmärsche oder in überfüllte Transporte in erster Linie mit Ziel Theresienstadt aber auch ins KZ Mauthausen in Österreich getrieben. Die Aufarbeitung dieser Geschichte ist bis heute wichtiger Bestandteil der regionalen Erinnerungskultur und Voraussetzung für ein verantwortungsbewusstes historisches Verständnis.

Beispiel eines Spurensuch-Projekts mit Jugendlichen im Erzgebirge
siehe auch Best Practice: „Verlorene Geschichte(n). Das KZ-Außenlager Venusberg“ (2025)
Literatur
  • Brenner, Hans; Heidrich, Wolfgang; Müller, Klaus-Dieter; Wendler, Dietmar (2018): NS-Terror und Verfolgung in Sachsen. Dresden: Sächsische Landeszentrale für politische Bildung.
  • Cziborra, Pascal (2005): KZ Venusberg. Der verschleppte Tod. Lorbeer Literaturverlag.
  • Cziborra, Pascal (2005): KZ Zschopau. Sprung in die Freiheit. Lorbeer Literaturverlag.
  • Cziborra, Pascal (2005): KZ Wilischthal. Unter „Hitlersauge“ Aufsicht. Lorbeer Literaturverlag.
  • Cziborra, Pascal (2017): KZ Leitmeritz. Frauen für Richard. Lorbeer Literaturverlag.
  • Cziborra, Pascal (2018): KZ Wolkenburg. Todesmarsch nach Dachau. Lorbeer Literaturverlag.
  • Schreiber Weitz, Sonia (2004): I promised I would tell. Facing History and Ourselves, Massachusetts, USA.
Webseiten

Um die Wirtschaft des Deutschen Reiches aufrechtzuerhalten, wurden aus allen besetzten Ländern bis zu 13 Millionen Zivilpersonen, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter*innen eingesetzt – in der Rüstungsindustrie, in Großunternehmen, kleinen Handwerksbetrieben, in der Landwirtschaft sowie in Behörden und Privathaushalten. Sie waren allgegenwärtig und in nahezu jedem Betrieb, jedem Hof oder öffentlichen Gebäude präsent.

Allein in Sachsen mussten zwischen 1939 und 1945 bis zu einer halben Million Zwangsarbeiter*innen arbeiten. Untergebracht waren sie in Barackenlagern oder in zweckentfremdeten Gebäuden wie Fabrikhallen, Gaststätten oder Turnhallen. Die Lebensbedingungen waren menschenunwürdig, besonders für Menschen aus Polen, der ehemaligen Sowjetunion und für KZ-Häftlinge.

Zwangsarbeit war ein öffentlich sichtbares Verbrechen, dem etwa 2,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Trotz dieser Dimension wurde sie nach 1945 lange nicht als Massenverbrechen anerkannt; die Überlebenden erhielten erst rund 60 Jahre später geringe Entschädigungszahlungen.

Viele Stätten der NS-Zwangsarbeit in Sachsen sind heute kaum noch identifizierbar – abgerissen, überbaut oder vergessen – und damit weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Auf Friedhöfen findet man gelegentlich Gräber mit fremdländischen Namen, etwa in Zwönitz, wo ehemalige Landarbeiter aus Polen und der Ukraine bestattet wurden. Umso wichtiger ist es heute, die Spuren dieser Orte sichtbar zu machen und an die Menschen zu erinnern, deren Leid lange verdrängt wurde.

Literatur
  • Düring, Michael (2002): Wir waren zum Tode bestimmt. Lódz-Theresienstadt-Auschwitz-Freiberg-Oederan-Mauthausen. Jüdische Zwangsarbeiterinnen erinnern sich. Forum Verlag Leipzig.
  • Müller, Klaus-Dieter; Wendler, Dietmar (2021): NS-Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft 1939-1945. Ausländereinsatz im Deutschen Reich und in Sachsen. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
  • Sächsisches Staatsarchiv (2002): Fremd- und Zwangsarbeit in Sachsen 1939-1945. Beiträge eines Kolloquiums in Chemnitz am 16. April 2002. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Halle (Saale)/Dresden.
Webseiten

Nach der Übertragung der Macht an die Nationalsozialisten entstanden ab März 1933 im gesamten Deutschen Reich frühe Konzentrationslager und „Schutzhaftabteilungen“. Auch in Sachsen entwickelte sich ein dichtes Netz solcher Haftorte. Die ersten Massenverhaftungen führten zu zahlreichen improvisierten Lagern, die lokale SA-Führer einrichteten – im Erzgebirge z. B. im „Schützenhaus“ in Annaberg oder im Messingwerk in Lugau. Unmittelbar nach der Reichstagswahl am 5. März 1933 nutzte man zudem bestehende Gebäude wie Zuchthäuser, Burgen (z. B. die Augustusburg), stillgelegte Fabriken (z. B. die Firma August Wellner & Söhne in Zschorlau) oder Arbeitersporteinrichtungen (z. B. die Arbeiterturnhalle in Flöha, OT Plaue).

Inhaftiert wurden vor allem politische Gegner wie Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, daneben auch „Zeugen Jehovas“, Homosexuelle und Menschen, denen „asoziales Verhalten“ vorgeworfen wurde. Die Lager dienten der schnellen Ausschaltung jeglicher Opposition. Zur Koordinierung der Verhaftungswelle entstand Ende März 1933 in Dresden die „Schutzhaftzentrale“.

Die frühen Lager waren Orte massiver physischer und psychischer Gewalt, geprägt von Misshandlungen, Dunkelarrest und entwürdigenden Schikanen. Viele Gefangene starben oder nahmen sich das Leben – so möglicherweise auch die Katholikin Marie Richter, die im März 1933 die Folter im Schützenhaus in Annaberg nicht überlebte. Ab 1934 wurden die Lager der Gestapo unterstellt und schrittweise konzentriert; bis 1937 blieb nur das KZ Sachsenburg bestehen. Diese frühen Haftstätten bildeten ein zentrales Instrument zur Errichtung und Absicherung der NS-Diktatur.

Beispiel eines Spurensuch-Projekts mit Jugendlichen im Erzgebirge (2025)
siehe auch Best Practice: Jugendgeschichtsprojekt „Vergissmeinnicht“. Erforschen-Erzählen-Erinnern.
Literatur
  • Baganz, Carina (2005): Erziehung zur „Volksgemeinschaft?“: die frühen Konzentrationslager in Sachsen 1933 – 34/37 (Geschichte der Konzentrationslager 1933 – 1945, Band 6). Metropol-Verlag
  • Benz, Wolfgang; Distel, Barbara; Königseder, Angelika (Bearbeitung 2015): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager Bd. 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. Verlag C.H. Beck, München.
  • Brenner, Hans; Heidrich, Wolfgang; Müller, Klaus-Dieter; Wendler, Dietmar (2018): NS-Terror und Verfolgung in Sachsen. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
  • Die Brauereibande (2024): Die Geschichte der Marie Richter. Projekt „Vergissmeinnicht“ im Rahmen der Spurensuche 2024. Alte Brauerei Annaberg-Buchholz. Broschüre.
  • Kohlsche, Kurt (2001): „So war es! Das haben Sie nicht gewusst.“ Konzentrationslager Sachsenburg 1935/36 und Wehrmachtgefängnis Torgau-Fort Zinna 1944/45 – ein Häftlingsschicksal. Heftreihe „Lebenszeugnisse – Leidenswege“ der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft (Heft 7).
  • Pampel, Bert; Schmeitzner, Mike (2018): Konzentrationslager Sachsenburg (1933 – 1937). Schriftenreihe der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewalt (Bd. 16). Sandstein Verlag, Dresden.
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Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus war vielfältig und reichte von offenem politischen Kampf bis zu stiller Verweigerung im Alltag. Trotz Terror, Überwachung und harter Strafen widersetzten sich Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und unterschiedlichen Gründen dem NS-Regime.

Auch im Erzgebirge lassen sich zahlreiche Formen des Widerstands nachweisen. Bereits in den Jahren 1933/34 stellten sich vor allem Kommunisten offen gegen das Regime. Viele von ihnen wurden in sog. „Schutzhaft“ genommen, u. a. in Annaberg-Buchholz, und dort brutal misshandelt. Der Direktor der Venusberger Spinnerei protestierte in mehreren Schreiben gegen die unmenschliche Behandlung der Häftlinge im KZ-Außenlager Venusberg. Unter Lebensgefahr versteckten zwei Frauen in Zschopau geflohene jüdische KZ-Häftlingsfrauen. Zudem versorgten Bewohner der Stadt KZ-Häftlinge auf dem Weg zur Arbeit heimlich mit Brot. Auch die Häftlinge selbst leisteten Widerstand, indem sie gezielt Arbeitsprozesse in Rüstungsbetrieben sabotierten. Andere Menschen zeigten Widerstand, indem sie Befehle verweigerten oder ihre kritische Meinung offen äußerten. So wurde z. B. eine Frau in Zwönitz aufgrund einer Äußerung denunziert und später in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Ein Wehrmachtssoldat, der einen Befehl nicht ausführte, wurde nach einer Denunziation aus der örtlichen Bevölkerung festgenommen und in einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt.

Der Widerstand konnte das NS-Regime nicht stürzen, zeigt aber, dass es auch in Zeiten der Diktatur Menschen gab, die Mut bewiesen und ihre Überzeugungen verteidigten. Ihre Haltung ist ein wichtiges Zeichen für Zivilcourage und demokratische Werte.

Literatur
  • Cziborra, Pascal (2005): KZ Zschopau. Sprung in die Freiheit. Lorbeer Literaturverlag.
  • Cziborra, Pascal (2005): KZ Venusberg. Der verschleppte Tod. Lorbeer Literaturverlag.
  • Müller, Klaus-Dieter; Wendler, Dietmar (2021): NS-Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft 1939-1945. Ausländereinsatz im Deutschen Reich und in Sachsen. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
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Die Auseinandersetzung mit der NS-Täterschaft wirft bis heute grundlegende und unbequeme Fragen auf. Wer waren die Menschen, die wir rückblickend als Täter bezeichnen? Waren es nur die bekannten Funktionsträger des Regimes – Lagerkommandanten, SS-Oberaufseherinnen oder Wachmänner in Konzentrations- und Außenlagern? Oder beginnt Täterschaft bereits früher und scheinbar unscheinbarer: bei der arbeitslosen Frau, die im Arbeitsamt ein Formular unterschrieb und damit den Weg zur Ausbildung als Aufseherin einschlug?

Gehört auch der Mann dazu, der in der Kneipe beiläufig erzählte, ein Wehrmachtssoldat habe einen Befehl verweigert – mit der Folge, dass dieser festgenommen, verurteilt und hingerichtet wurde? Oder ist der Soldat selbst Teil der Täterschaft? Wie ist die Krankenschwester zu beurteilen, die einem schwerkranken KZ-Häftling nicht half, weil sie unter Beobachtung stand? Trägt sie Verantwortung – oder der Oberarzt, der die Anweisungen der Behörden widerspruchslos umsetzte? Und schließlich stellt sich die Frage, ob nicht auch diejenigen Teil des Systems waren, die schwiegen, wegschauten und sich nicht einmischten.

NS-Täterschaft war kein klar abgegrenztes Phänomen. Sie bewegte sich in einem breiten Spektrum zwischen aktivem Handeln, Mitmachen, Mitwissen und Unterlassen – und genau darin liegt ihre verstörende Nähe zur Gesellschaft insgesamt.

Literatur
  • Herman, Konstantin (2014): Führerschule, Thingplatz, „Judenhaus“. Topografien der NS-Herrschaft in Sachsen. Sandstein Verlag, Dresden.
  • Heydemann, Günther; Schulte, Jan Erik; Weil, Francesca (2014): Sachsen und der Nationalsozialismus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
  • Pieper, Christine; Schmeitzner, Mike; Naser, Gerhard (2011): Braune Karrieren. NS-Protagonisten in Sachsen am Beispiel Dresdens. Sandstein Verlag, Dresden.

Das sog. „Euthanasie“-Programm war ein staatlich organisiertes Massenmordprogramm an Menschen, die die Nationalsozialisten als „lebensunwert“ diffamierten – vor allem Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen sowie psychisch Kranke. Grundlage waren schon ab 1933 erlassene Gesetze zur Zwangssterilisation, ab 1939 begann jedoch die systematische Ermordung im Rahmen der sogenannten „Vernichtung unwerten Lebens“.

Zentral war dabei die sogenannte Aktion T4 (1939–1941), bei der Patientinnen und Patienten aus Heilanstalten in eigens eingerichtete Tötungsanstalten gebracht und dort, meist durch Gas, ermordet wurden. Auch nach dem offiziellen Stopp 1941 wurden die Morde dezentral fortgesetzt.

Ein wichtiger Ort dieser Verbrechen war Pirna-Sonnenstein. Dort wurden 1940/41 mehrere tausend Menschen in einer ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt systematisch getötet. Die Anlage gilt als eines der zentralen Tötungszentren der NS-„Euthanasie“-Verbrechen und steht heute als Gedenkort für die Opfer und zur Aufarbeitung dieser Verbrechen.

Literatur

  • Armin Trus (2019): Die „Reinigung des Volkskörpers“, Eugenik und „Euthanasie“ im Nationalsozialismus. Metropol Verlag.
  • Siegfried Reipich und Clemens Vollnhals (2003): Lebenszeugnisse – Leidenswege „… ist uns noch allen lebendig in Erinnerung“, Biografische Porträts von Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Anstalt Pirna-Sonnenstein. Stiftung Sächsische Gedenkstätten.
  • Norbert Haase und Clemens Vollnhals (2017): Lebenszeugnisse – Leidenswege „Nun liesse sich viel erzählen von all den Tagesereignissen …“, Kommentierte Chronik des Katharinenhofes Großhennersdorf 1934 – 1941. Stiftung Sächsische Gedenkstätten.
  • Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (2016): Nationalsozialistische Zwangssterilisationen in Sachsen 1933-1945, Struktur und Praxis – Täter und Opfer.

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Broschüren zu Lernorten der NS-Geschichte

In den Jahren 2023/2024 haben uns unsere Bildungsfahrten mit pädagogischen Fachkräften und Interessierten zu Lernorten in Sachsen sowie in die angrenzenden Regionen Böhmens und Polens geführt. Orte, an denen die nationalsozialistischen Verbrechen Spuren hinterlassen haben – sichtbar oder beinahe ausgelöscht, institutionalisiert oder nur dank des Engagements Einzelner bewahrt.

An jedem dieser Orte begegneten wir Geschichten von Entrechtung, Zwangsarbeit, Hunger, Gewalt und Mord. Wir haben Biografien von Opfern kennengelernt, über Erinnerungskultur diskutiert und darüber gesprochen, wie wir Jugendlichen diese Geschichte heute vermitteln können: nah, verantwortungsvoll und mit Blick auf ihre Fragen an die Gegenwart. Aus diesen Begegnungen ist eine Reihe von Broschüren entstanden, die erste Einblicke geben, zum Weiterdenken anregen und anregen, die Lernorte selbst zu besuchen. Denn Geschichte geschah nicht nur weit entfernt – sie geschah hier, mitten in unserer Umgebung.

Anmerkung: Die Broschüren können heruntergeladen werden. Bei Bedarf können wir einzelnen Broschüren zuschicken, solange der Vorrat reicht.

Broschüre herunterladen

Venusberg im Erzgebirge entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Industriestandort. 1843 entstand im Ortsteil Spinnerei die älteste Arbeitermietskaserne des Erzgebirges. Die 1858 gegründete Baumwollspinnerei prägte den Ort nachhaltig und erhielt 1886 sogar einen Bahnanschluss. Ab 1943 wurden Teile der Spinnerei für die Rüstungsproduktion genutzt, in der Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangene dort arbeiten mussten. Ende 1944 entstand eine Außenstelle des KZ Flossenbürg für rund 1.000 jüdische Frauen.

Nach 1945 wurde die Produktion wieder aufgenommen, 2022 eingestellt. Heute gilt die Spinnerei als eines der letzten erhaltenen Industriedenkmäler der Region.

Inhalt der Broschüre
  • „Venuswerke“ – Zwangsarbeit und Kriegsproduktion
  • Zwangsarbeit für die Kriegswirtschaft in der Region in weiteren Außenlagern des KZ Flossenbürg
  • Eine außergewöhnliche Flucht – Odette Spingarn KZ Zschopau
  • Was hat das mit dem heute zu tun? – Die Geschichte von Blanka Zmigrod
  • Wie erging es den Frauen nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager Mauthausen und Theresienstadt?
  • Heutige Gedenkzeichen – in Venusberg und in Zschopau
  • Verlorene Geschichte(n). Jugendliche der Gemeinde Drebach wollen das ändern.

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War Theresienstadt ein Durchgangslager in den Tod oder ein „Vorzeige-Ghetto“ für alte und prominente Jüdinnen und Juden? Diese Frage stellt sich jedem Besuchenden in Terezín. Auf den ersten Blick: Straßen, Plätze, Kasernen, Wohnhäuser – keine Baracken, keine Gaskammern. Doch hinter den Mauern verbargen sich Hunger, Elend, Krankheit und der schleichende Tod. Kinderzeichnungen und Erinnerungen erzählen von dem Leid, aber auch von Solidarität und Hoffnung.

Heute ist Terezín eine kleine tschechische Stadt, in der Menschen wohnen und arbeiten – und doch lastet die Geschichte schwer. Und wieder kommen Fragen. Wie lebt man an einem Ort, der Teil der „Endlösung“ war?

Inhalt der Broschüre
  • Als ob“, ein Gedicht über Theresienstadt
  • Das Schicksal Tausender von Menschen
  • Was uns ein Überlebender zu erzählen hat – František R. Kraus
  • Ein bewegtes Leben – Hanuš Hron
  • Theresienstadt zwischen Erinnerung und Verfall
  • Die Gedenkstätte Theresienstadt
  • Lokale Spurensuche in Sebnitz

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Im 19. Jahrhundert brachte die industrielle Entwicklung neue Arbeitsplätze in der nahegelegenen Kohlegrube und im Stahlwerk, wodurch Lidice zu einer lebendigen Arbeitergemeinde wurde. Der Ort schien ein sicheres Zuhause, ein Ort des einfachen Lebens und des sozialen Miteinanders. Doch diese friedliche Idylle wurde am 10. Juni 1942 jäh zerstört. Lidice erlebte eine Tragödie, die als grausamer Akt nationalsozialistischer Vergeltung in die Geschichte einging. Die Zerstörung des Ortes war mehr als ein Überfall – sie war ein Versuch, den Ort mit seinen Menschen vollständig auszulöschen – nicht nur physisch, sondern auch aus dem kollektiven Gedächtnis.

Inhalt der Broschüre
  • Der Weg zur Tragödie
  • Die „Auslöschung“ von Lidice
  • „Wer bin ich? Vaclav Zelenka oder Rolf Wagner?“
  • „Wenn ich damals nur ein Jahr älter gewesen wäre, wäre ich auch auf dem Denkmal für die ermordeten Kinder von Lidice.“
  • Lidice lebt weiter – über die Kraft der weltweiten Solidarität
  • Die Rose – Zeichen der Freundschaft und Hoffnung
  • Erinnerung an die Kinder – 82 Bronzene Zeugen

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Königsmühle, einst ein kleiner Ort im Erzgebirge im wunderschönen Tal des Schwarzwassers in der Nähe des Keilberges, ist einer der ca. 3.000 verlassenen sudetendeutschen Orte in Tschechien, aus dem seine Einwohner zum Ende des Zweiten Weltkrieges vertrieben wurden.

Preßnitz (später: Přísečnice), früher bekannt als Berg- und Musikstadt, war bis 1945 von Sudetendeutschen und danach bis 1972 von Tschech*innen bewohnt. Mit Beschluss zum Bau der Talsperre Preßnitz wurde der Ort ein zweites Mal ausgesiedelt und anschließend aufgegeben. Das ehemalige Stadtgebiet liegt nun versunken unter der Wasseroberfläche.

Inhalt der Broschüre
  • Königsmühle
  • Rosemarie Ernst
  • Pressnitz
  • Marianne Hartlaub
  • Hintergrund der Vertreibung
  • Und heute?

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In der damaligen Provinz Niederschlesien, heute am Rande von Zgorzelec in Polen, gab es zwischen 1939 und 1945 ein deutsches Lager für etwa 120.000 Kriegsgefangene – das Stalag VIII A. Das Lager diente ab 1939 zunächst der Unterbringung polnischer Kriegsgefangener. Später wurden hier Kriegsgefangene aus zahlreichen Ländern, darunter Frankreich, Großbritannien, Belgien, Jugoslawien, der Sowjetunion und Italien, inhaftiert, die für das NS-Regime Zwangsarbeit leisten mussten.

Nach dem Krieg wurde das Gelände zunächst für verschiedene Zwecke genutzt und geriet schließlich in Vergessenheit. Heute erinnert hier ein internationales Begegnungszentrum und verschiedene Gedenkorte an die Geschichte des Stalag VIII A.

Inhalt der Broschüre
  • 120.000 kriegsgefangene Soldaten
  • Hintergrund: Kriegsgefangenenlager
  • Musik – Quelle der Hoffnung – Olivier Messiaen
  • Wer war Roman Zgłobicki?
  • Einst Vision – viel Engagement – heute Realität
  • Baracke Typ RLM 501
  • Projekte und Bildungsangebote

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Großschweidnitz ist ein kleiner Ort in der Oberlausitz nahe der Grenze zu Polen und Tschechien. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde hier eine Heil- und Pflegeanstalt erbaut, die den Patienten eine Therapie in grüner Umgebung ermöglichen sollte. Zwischen 1939 und 1945 wurden in dieser Einrichtung im Rahmen der nationalsozialistischen Ideologie der „Rassenhygiene“ mehr als 5.500 Menschen ermordet. Ärzt*innen, Pfleger und Schwestern löschten systematisch das Leben jener aus, die von den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ eingestuft wurden. 1967 wurde die ehemalige Landesanstalt Großschweidnitz zum „Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie“. Seit 2023 erinnert eine Gedenkstätte auf dem Gelände des Friedhofs an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde.

Inhalt der Broschüre
  • Die Landesanstalt Großschweidnitz im Nationalsozialismus
  • „Kindereuthanasie“-Verbrechen
  • „Erlösung von einem hoffnungslosen Dasein“ … – Marianne Schönfelder
  • „… und singt dabei wie ein Besessener“ – Jan Procházka
  • Der Dresdner Euthanasie-Prozess
  • Ein langer Weg der Aufarbeitung
  • Die Gedenkstätte und ihre Bildungsangebote

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Das Lager Elsterhorst (heute Nardt) erzählt eine europäische Geschichte vom Krieg in einer traditionell sorbischen Region, geprägt von Land- und Forstwirtschaft, dörflichem Handwerk, Braunkohlebergbau, der Eisenbahn, vielen kleinen und großen Betrieben. Zwischen 1939 und 1948 waren hier zu Kriegszeiten Soldaten, Offiziere, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene aus Frankreich, Belgien, Polen, Tschechien, Russland und nach dem Krieg deutsche Wehrmachtssoldaten und später Vertriebene aus Schlesien und Ostpreußen.

Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Lazaretts in einer der letzten historischen Baracken ein Dokumentationszentrum, das die Geschichte dieser Lager und Geschichten von all diesen Menschen zu unterschiedlichen Zeiten erzählt.

Inhalt der Broschüre
  • Lager Elsterhorst bis 1945
  • Lager Elsterhorst von 1945 bis 1948
  • Eine ungewöhnliche Liebe – Leutnant Robert Bocabeille
  • Auszug aus den Erinnerungen von Margarethe Zielke, geb. Köhler aus Niederschlesien
  • Letzte Ruhestätten der Verstorbenen
  • Weitere „Lokale Lernorte“ in und umHoyerswerda
  • Bildungsarbeit in Hoyerswerda und seine Herausforderungen

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Königstein wurde im Zweiten Weltkrieg als Standort für unterschiedliche Lager genutzt – für Offiziere, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Gleich zu Beginn, 1939, wurde auf der Festung ein Gefangenenlager für privilegierte Offiziere (Oflag IV-B) eingerichtet. Gegen Ende des Krieges ließ das KZ Flossenbürg unweit der Festung Königstein ein Außenlager errichten. Die Häftlinge mussten für die Rüstungsindustrie im Sandsteinbruch an der Elbe unter Schwerstarbeit eine unterirdische Stollenanlage bauen, die zur Herstellung von Flugbenzin genutzt werden sollte. Im Gegensatz zum Offiziersgefangenenlager überlebten viele das KZ-Außenlager nicht.

Inhalt der Broschüre
  • Festung Königstein 1939 bis 1945
  • Geheime Stollen und tragische Schicksale – KZ-Außenlager Königstein 1944 bis 1945
  • Vom bäuerlichen Leben in die Schrecken des KZ – Alfonso Cavedale
  • Die Flucht des französischen Generals Henri Giraud
  • Erinnerung im öffentlichem Raum – Erinnerungsarbeit vor Ort auch 80 Jahre danach
  • Bildungsarbeit

Fördermöglichkeiten

Für Einrichtungen/Initiativen/Träger der Jugendarbeit, (gemeinnützige) Vereine (vorw. in Sachsen)
Folgende Angaben dienen zur Orientierung. Die genauen Förderrichtlinien sind den entsprechenden Webseiten bzw. Ausschreibungen zu entnehmen.

Projekte im deutsch–tschechischen Kontext

Sächsische Jugendstiftung - Spurensuche

Förderung von max. 1.800 Euro
Recherchearbeiten, Exkursionen, Honorare, Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten, Ausstattungsgegenstände, Dokumentation der Ergebnisse

Beantragung 2026
Ende März 2026

mehr erfahren

Kulturstiftung des Freistaates Sachsen – Kleinprojekteförderung

Förderung von 500 Euro bis 5.000 Euro
Kleinere Kunst- und Kulturprojekte in ländlichen Regionen Sachsens, Sach- und Honorarausgaben

Beantragung 2026
15. Januar (Kleinprojekte)

1. März (Projekte im 2. HJ)

mehr erfahren

WOS Fördersäule D: Kleinprojekte

Förderung von 500 EUR bis 10.000 EUR
Projekte, die Phänomene gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit abbauen helfen oder Projekte, die demokratische Werte stärken und demokratische Handlungskompetenzen fördern

Beantragung 2026
4 Wochen vor Beginn des Projekts

mehr erfahren

WOS Fördersäule E: Bildungsfahrten

Festbetragsfinanzierung
Fahrten zu Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus und der SED-Diktatur (auch außerhalb von Sachsen)

Beantragung
4 Wochen vor Beginn des Projekts

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Deutsche-Stiftung für Engagement und Ehrenamt - Mikroförderprogramm

Förderung bis zu 90 % (max. 1.500 Euro)
projektbezogene Sachausgaben und Honorare

Beantragung 2026
jederzeit

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MONOM Stiftung – Kleine Hilfe

Förderung von max. 1.500 Euro
akute finanzielle Hilfe für gemeinnützige Vereine

Beantragung 2026
voraussichtlich im Herbst

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IBB gGmbH – Förderung von Gedenkstättenfahrten

Fördersätze pro Teilnehmenden
Außerschulische Fahrten von Jugendgruppen (zwischen 14 und 26 Jahre) zu Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus im In- und im Ausland

Beantragung 2026
mind. 12 Wochen vor Beginn der Gedenkstättenfahrt

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Stiftung für Toleranz und Völkerverständigung

Förderung im Rahmen der verfügbaren Mittel
Projekte, die Rechtsextremismus, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus entgegenwirken

Beantragung 2026
mind. 2-3 Monate vor Projektbeginn

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TANDEM – Kleine Projekte in der außerschulische Förderung im deutsch-tschechischen Kontext

Förderung bis zu 90 % (max. 1.000 Euro)
weitere Fördermöglichkeiten:

  • Jugendbegegnung
  • Fachkräfteaustausch
  • im Rahmen Förderschwerpunktthemas "Gemeinsam gestalten, nachhaltig handeln"

Beantragung 2026
6 Wochen vor Projektbeginn

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Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds – Projekte im deutsch-tschechischen Kontext

Förderbeitrag von max. 50 % der Gesamtkosten
Projekte, die die deutsch-tschechische Nachbarschaft stärken

Beantragung 2026

  • bis 31. März (für 3. Quartal)
  • bis 30. Juni (für 4. Quartal)
  • bis 30. September (für 1. Quartal 2027)
  • bis 31. Dezember (für 2. Quartal 2027)

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Best Practice

Im Erzgebirge und den angrenzenden Regionen gibt es viele Projekte, die zeigen, wie lebendig, kreativ und relevant historische Bildungsarbeit außerhalb des Klassenzimmers sein kann. Ob Jugendgeschichtsarbeit, lokale Spurensuche, Workcamps oder Bildungsfahrten – überall setzen sich junge Menschen mit der Geschichte der NS-Zeit auseinander und suchen nach Antworten auf Fragen, die Orientierung für ihr eigenes Leben bieten: Was hat das mit mir zu tun?

Diese Praxisbeispiele sollen inspirieren, Mut machen und Anregungen für eigene Projekte in der Jugendarbeit und Zivilgesellschaft liefern.

Spurensuche mit Jugendlichen aus Sebnitz, Neustadt, Sa. und Stolpen (2024)
Was hat ein Ort wie Terezín in Tschechien mit der Heimatregion zu tun? Jugendliche begaben sich im Rahmen des Konfirmandenunterrichts gemeinsam mit ihrem Pfarrer auf die Spuren zweier älterer Ehepaare aus Sebnitz, die nach Theresienstadt deportiert wurden. Dort verstarben sie kurz nach ihrer Ankunft aufgrund der schrecklichen Lebensbedingungen.
Die Jugendlichen arbeiteten mit Dokumenten aus verschiedenen Archiven. Dabei wurden sie von ASF-Freiwilligen der Gedenkstätte Theresienstadt unterstützt, die historische Hintergründe vermittelten und jene Orte in Terezín zeigten, die mit dem Leben und Sterben der Jüdinnen und Juden verbunden waren – darunter auch die der beiden Ehepaare aus Sebnitz.
Historischer Hintergrund
Theresienstadt steht für Täuschung, Leid und Vernichtung im Nationalsozialismus und ist bis heute ein verstörender Ort. Zwischen 1941 und 1945 wurden mehr als 140.000 Jüdinnen und Juden, darunter 15.000 Kinder, in das Ghetto und Durchgangslager deportiert – auch Menschen aus dem Erzgebirge.
Themenschwerpunkte:
• Nationalsozialismus und Holocaust
• Deportation jüdischer Menschen
Projektaktivitäten:
• Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Theresienstadt/Terezín
• Workshops zu Biografien, Quellenarbeit
• Begegnung mit einer Zeitzeugin
Ergebnisse:
• Stolpersteinpflege
• eigene Geschichten und Bilder
Organisator*innen:
Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Sebnitz-Hohnstein
Partner*innen:
Evangelisch-Lutherisches Landesjugendpfarramt in Dresden, Stadtmuseum Sebnitz, Freiwilligenbüro der Gedenkstätte Theresienstadt, Brücke|Most-Stiftung
Was hat das mit mir zu tun - Zeichnungen, 2025. © BMStSpurensuche mit Jugendlichen aus Marienberg und Umgebung (2025)
Was hat ein Ort wie Terezín in Tschechien mit der Heimatregion zu tun? Jugendliche begaben sich auf die Spuren zweier aus Annaberg stammender Juden, die in einem der letzten Deportationszüge aus Chemnitz nach Theresienstadt gebracht wurden. Sie werteten Dokumente aus verschiedenen Archiven aus, um mehr über das Schicksal der beiden Männer und ihrer Familien zu erfahren. Unterstützt wurden sie dabei von ASF-Freiwilligen der Gedenkstätte Theresienstadt, die historische Hintergründe vermittelten und ihnen jene Orte in Terezín zeigten, an denen die beiden Männer interniert gewesen waren.
Historischer Hintergrund
Theresienstadt steht für Täuschung, Leid und Vernichtung im Nationalsozialismus und ist bis heute ein verstörender Ort. Zwischen 1941 und 1945 wurden mehr als 140.000 Jüdinnen und Juden, darunter 15.000 Kinder, in das Ghetto und Durchgangslager deportiert – auch Menschen aus dem Erzgebirge.
Themenschwerpunkte:
• Nationalsozialismus und Holocaust
• Deportation jüdischer Menschen aus dem Erzgebirge
Projektaktivitäten:
• Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Theresienstadt/Terezín
• Workshops zu Biografien, Quellenarbeit
Organisator*in:
Sozialarbeiter*innen der Diakonie Marienberg e. V.
Ergebnisse:
• Gedichte und erzählerische Texte
• Zeichnungen
Partner*innen:
Freiwilligenbüro der Gedenkstätte Theresienstadt/Terezín • Brücke|Most-Stiftung Dresden
Eine Geschichte über David und seinem Freund Jeremy, geschrieben von Marlon (12 Jahre), die uns allen Motivation sei, mit der wichtigen Erinnerungsarbeit weiterzumachen.
„Nachdenklich ging er durch das Museum in Terezin, schaute sich um auf die unzähligen Namen verstorbener Kinder. Nur seiner war nicht da. Er hatte überlebt. Er schaute sich die ausgestellten Bilder an, gemalt von Kindern. Unter viel zu vielen stand Auschwitz – was bedeutete, dass sie in diesem schrecklichen Ort ihr Leben lassen mussten. David fühlte sich zurückgesetzt. Er sah seinen Freund – einer von vielen Namen auf der Tafel der Toten. Er bekam Flashbacks …
Er wachte auf in einem Bett, in das er kaum reinpasste. Er spürte kleine Tiere oder so etwas auf seiner Haut – ein ekliges Gefühl. Er schaute nach rechts und sah seinen Freund Jeremy im Bett auf der anderen Seite liegen. Heute sollte Jeremy nach Auschwitz gebracht werden. Jeremy freute sich. „Endlich raus hier, in ein besseres Leben,“ sagte er voller Freude. Doch David hatte kein gutes Gefühl. Aber wie auch immer – er hatte ja keine Wahl. Er musste Jeremy gehen lassen. Er stieg aus seinem Bett und lief in den Innenhof. Dort standen eng an eng Juden und andere Leute. Er selbst war kein Jude. Er war sogar christlich, aber er entsprach einfach nicht den Vorstellungen der Leute, die ihn hier festhielten. Er bahnte sich den Weg vorbei an Wachleuten und Juden. Er wollte sich auf den Weg machen und am illegalen Unterricht teilnehmen. Doch bevor er da war, sah er auf dem Weg vor sich einen kleinen Jungen, vielleicht so 7 Jahre alt.
Er wurde geschlagen von einem der Wachen. „Du dreckiges Judenschwein! Hast du mich gerade dumm angeschaut? Du bist es nicht würdig!“ sagte der Wachmann und schlug mit voller Wucht auf die Nase des Jungen. Er blutete im Gesicht, doch der Wachmann hörte nicht auf, bis der Junge seine Augen schloss. Er war tot – dachte David. Er war tot. David rannte hin, aber traute sich nicht zu schauen. Zu stark war die Angst, in das zerschlagene Gesicht des Jungen zu sehen – oder dass der Wachmann auch sein Gesicht wie ein Schiff an einem Felsen zerschmettern würde. Also rannte David weg.
Es war nun Mittag – Zeit, sich von seinem Freund Jeremy zu verabschieden. Sie umarmten sich ein letztes Mal, bevor Jeremy weggebracht wurde. David rechnete nicht damit, ihn je wiederzusehen. Nie waren Leute, die weggebracht wurden, wieder zurückgekommen – unter ihnen auch seine Eltern, seine geliebten Eltern. Lange hatte er sie nicht mehr gesehen. Er träumte viel von ihnen – Erinnerungen an die Zeit, als er mit ihnen gespielt hatte, als er das Gefühl von Freude noch kannte. Er hatte es lange nicht gespürt. Er fragte sich: Wo ist die Hoffnung hin? Ich habe sie lange nicht gesehen. Er dachte viel nach, schrieb und malte – und schon war es wieder Abend. Er lag in seinem Bett. Es war jede Nacht wieder schlimm, einzuschlafen. Zu sehr erinnerte er sich an den Jungen und an seinen Freund, den er nie mehr sehen würde. Schließlich schloss er die Augen.
Flashback Ende
David war wieder im Museum. Eine Gänsehaut lief ihm den Rücken runter. Damals dachte er, dass seine Eltern und Jeremy nur weggebracht worden waren – aber heute wusste er, dass sie tot waren. Tot für immer. Er konnte nicht weiter Zeit in dem Museum verbringen. Er ging – und wollte nie wieder zurück.
Anmerkung: Die Geschichte wurde inhaltlich nicht verändert, sondern lediglich sprachlich überarbeitet.
Begleiterinnen der Jugendlichen im Spurensuchprojekt zum Schicksal der Wollsteiner-Brüder: Regina Elsner, VVN-BdA (†); C. Paulick, RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e. V.; M. Eckardt und C. Wöhle, Foucault Gymnasium. © BMStSpurensuche mit Jugendlichen aus Hoyerswerda (2021/2022)
Was hat ein Ort wie Terezín in Tschechien mit meiner Heimatstadt zu tun? Jugendliche begaben sich auf Spurensuche jüdischer Brüder, die aus Hoyerswerda stammten. Die Jugendlichen arbeiteten mit Dokumenten aus verschiedenen Archiven, um mehr über das Schicksal der Brüder und ihrer Familien zu erfahren. Dabei wurden sie von ASF-Freiwilligen der Gedenkstätte Theresienstadt unterstützt, die historische Hintergründe vermittelten und jene Orte in Terezín zeigten, die mit dem Leben und Sterben der Jüdinnen und Juden verbunden waren – darunter auch die der Brüder aus Hoyerswerda.
Historischer Hintergrund
Theresienstadt steht für Täuschung, Leid und Vernichtung im Nationalsozialismus und ist bis heute ein verstörender Ort. Zwischen 1941 und 1945 wurden mehr als 140.000 Jüdinnen und Juden, darunter 15.000 Kinder, in das Ghetto und Durchgangslager deportiert – auch Menschen aus dem Erzgebirge.
Themenschwerpunkte:
• Nationalsozialismus und Holocaust
• Deportation jüdischer Menschen
Projektaktivitäten:
• Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Theresienstadt/Terezín
• Workshops zu Biografien, Quellenarbeit
• Begegnung mit einem Zeitzeugen
Ergebnisse:
• Informationstafel
Organisator*innen:
RAA Hoyerswerda /Ostsachsen e. V.
Partner*innen:
VVN-BdA Stadtverband Hoyerswerda, Foucault-Gymnasium, Stadtbibliothek „Brigitte Reimann“, Freiwilligenbüro der Gedenkstätte Theresienstadt, Brücke|Most-Stiftung
Jugendliche aus dem Erzgebirge vor dem Kinderdenkmal in Lidice, 2024. © BMStBildungsreise mit Jugendlichen aus Annaberg-Buchholz und Umgebung (2024)
Jugendliche aus dem Erzgebirge reisten gemeinsam mit Sozialpädagog*innen ihrer Kinder- und Jugendeinrichtungen nach Tschechien, um historische Orte der Zeit des Nationalsozialismus zu erkunden. In Prag erhielten sie Hintergrundwissen zu den Ereignissen, die 1942 zur vollständigen Zerstörung des Dorfes Lidice führten. Besonders eindrucksvoll war die Begegnung mit einem Zeitzeugen, der das Massaker überlebte, da er damals noch kein Jahr alt war.
Den Abschluss bildete ein Besuch in Königsmühle, einer verfallenen ehemaligen sudetendeutschen Siedlung. Dort erfuhren die Jugendlichen von der Geschichte der Vertreibung der Sudetendeutschen nach Kriegsende – einem Kapitel, das ohne die nationalsozialistische Besetzung und Gewaltpolitik nicht denkbar gewesen wäre.
Historischer Hintergrund
Lidice wurde am 10. Juni 1942 als Vergeltung für das Attentat auf Reinhard Heydrich in Prag von der SS dem Erdboden gleichgemacht, männliche Bewohner wurden ermordet, Frauen und Kinder deportiert, einige Kinder in deutsche Familien verschleppt. Die Zerstörung von Lidice steht exemplarisch für die Brutalität der NS-Besatzung in Böhmen und Mähren.
Themenschwerpunkte:
• Prag unterm Hakenkreuz
• Widerstand in Prag
• Attentat auf Reinhard Heydrich und seine Folgen
• Das Massaker von Lidice
Projektaktivitäten:
• Bildungsfahrt nach Prag, Lidice und Königsmühle
• Begegnung mit einem Zeitzeugen
• Einführungs- und Nachbereitungstreffen
Ergebnisse:
• Buch
Organisator*innen:
Sozialarbeiter*innen des Evangelischen Jugendzentrums „Meisterhaus“, des CVJM-Jugendhauses „Alter Schafstall“ und des Soziokulturellen Zentrums „Alte Brauerei“ Annaberg-Buchholz
Partner*innen:
Pragkontakt • Živá paměť, Prag • DoKrajin, Kovářská • AGJF • Brücke|Most-Stiftung
11. April 2025 – 80 Jahre nach Auflösung des KZ-Außenlagers- Einweihung einer Gedenk- und Informationstafel vor dem Gelände der Spinnerei in Venusberg, 2025. © BMStEine historische Bildungsinitiative mit Jugendlichen aus dem Erzgebirge um Drebach (2023-2025)
Das Jugendprojekt widmete sich der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit der Spinnerei Venusberg bei Drebach. Nach intensiver Recherche- und Erinnerungsarbeit haben die Jugendlichen eine Gedenk- und Informationstafel für die rund 1.000 jüdischen Frauen und Mädchen gestaltet, die 1945 im KZ-Außenlager Venusberg Zwangsarbeit leisten mussten. Anlässlich des Jahrestages der Auflösung des Lagers im April 1945 wurde die Tafel feierlich eingeweiht.
Historischer Hintergrund
Ab 1943 nutzte die Rüstungsindustrie Teile der Spinnerei Venusberg und setzte dort Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangene ein. Ende 1944 richtete das KZ Flossenbürg ein Außenlager für etwa 1.000 jüdische Frauen und Mädchen aus Ravensbrück und Bergen-Belsen ein. Am 13./14. April 1945 wurde das Lager evakuiert; die Frauen wurden in Viehwaggons in das KZ Mauthausen deportiert.
Themenschwerpunkte
• Zwangsarbeit
• KZ-Außenlager
Projektaktivitäten
• Workshops, Führungen, Gedenkveranstaltungen
• Bildungsfahrt zur KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Ergebnis
• Gestaltung und Einweihung einer Gedenktafel
Organisator*innen
Flexjuma KJR Erzgebirge • Gemeindeverwaltung Drebach • Kinder-, Jugend- und Familienarbeit • Regionalteam Zschopau
Partner*innen
Kreisjugendring Erzgebirge e. V. • Mobile Jugend- und Familienarbeit / Regionalteam Stollberg • Bildungsabteilung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg • Regionalforscher • Brücke|Most-Stiftung
Führung an der „Richard Grube“, in der die Häftlinge des KZ Leitmeritz Zwangsarbeit leisten mussten, 2025. © BMStJugendgeschichtsarbeit mit Jugendlichen aus der Region um Aue-Bad Schlema/Zwickau (2024-2026)
Das Projekt ist eine Kooperation der LEADER-Regionen Zwickauer Land und Westerzgebirge und widmet sich der Sichtbarmachung lokaler historischer Ereignisse. Ziel ist es, gemeinsam mit Jugendlichen lokale Geschichte ins öffentliche Bewusstsein zurückzuholen. Die Teilnehmenden setzen sich mit der Vergangenheit auseinander und entwickeln neue Formate des Gedenkens und Erinnerns.
Historischer Hintergrund
Der Todesmarsch von Mülsen über Eibenstock ins KZ-Außenlager Leitmeritz/Litoměřice fand im April 1945 statt, als die SS das KZ-Außenlager Mülsen St. Micheln räumte und die überwiegend jüdischen Häftlinge abtransportierte. Die völlig entkräfteten Menschen wurden zu Fuß durch mehrere erzgebirgische Gemeinden getrieben, bevor sie in Eibenstock in einen Zug verladen wurden. Viele Häftlinge starben unterwegs an Hunger, Erschöpfung, Misshandlungen oder wurden erschossen. Das Ziel des Transportes war das KZ-Außenlager Leitmeritz (Litoměřice), wo zahlreiche der Überlebenden erneut Zwangsarbeit leisten mussten und viele nicht überlebten.
Themenschwerpunkte:
• Todesmarsch
• KZ-Außenlager
Projektaktivitäten:
• Workshops, Filmvorführungen, Lesungen und Gedenkveranstaltungen
• Begegnungen mit Zeitzeug*innen
• Rad- und Bahnexkursion entlang des Todesmarsches Mülsen – Eibenstock – Litoměřice
• Bildungsfahrten zu KZ-Gedenkstätten
Ergebnisse:
• Gedenkzeichen und Informationstafeln
• Namensbuch der KZ-Häftlinge
• Broschüre
• virtueller 3D-Rundgang durch das KZ-Außenlager Mülsen St. Micheln
Organisator*innen:
KGE e. V., Aue-Bad Schlema • Alter Gasometer, Zwickau
Partner*innen:
Lokale und regionale Initiativen, Einrichtungen und Behörden • Bildungsabteilungen von KZ-Gedenkstätten • Brücke|Most-Stiftung

Spurensuche im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Zeithain © BMStHistorisches Workcamp in Zeithain mit Jugendlichen aus Frankenberg und Umgebung (2021/22)
Im Rahmen eines historischen Workcamps begaben sich Jugendliche aus Frankenberg auf archäologische Spurensuche. Unter Anleitung einer erfahrenen Archäologin gemeinsam mit einer Bildungsexpertin der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain führten sie selbstständig kleinere Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Lagers durch. Dabei stießen sie u. a. auf Spuren eines sowjetischen Kriegsgefangenen – eine Entdeckung, die sie weiter nach Leipzig führte, wo dieser zur Zwangsarbeit eingesetzt war.
Historischer Hintergrund
Das Kriegsgefangenenlager Zeithain wurde 1941 von der Wehrmacht eingerichtet und diente bis 1945 vor allem der Internierung sowjetischer Kriegsgefangener, die unter extremen Bedingungen litten. Hunger, Krankheiten und fehlende medizinische Versorgung führten dazu, dass Zeithain zu den tödlichsten deutschen Kriegsgefangenenlagern zählte. Schätzungsweise mehr als 25.000 Gefangene starben dort innerhalb weniger Jahre.
Themenschwerpunkte:
• Kriegsgefangenenlager
• Zwangsarbeit
Projektaktivitäten:
• Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
• Bildungsfahrt zur Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
• Historisches Arbeiten vor Ort, inklusive archäologischer Kleinfunde und Dokumentation
Ergebnisse
Film
Organisator*in:
Sozialarbeiter*innen des Kinder- und Jugendclubs „Am Bahnhof“ des Gemeinschaftswerk Frankenberg/Sa. e. V.
Partner*innen:
Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain • Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig • Büro für Zeitgeschichte und Denkmalpflege Berlin • Brücke|Most-Stiftung Dresden
Vergissmeinnicht. Erforschen, Erzählen, Erinnern, 2025. © BMStJugendgeschichtsarbeit in Annaberg-Buchholz (2024/25)
Die Annaberger Kät, eines der ältesten Volksfeste Deutschlands, zieht jedes Jahr Tausende Besucher*innen an. Was viele nicht wissen: Auf dem heutigen Kätplatz befand sich zur Zeit des Nationalsozialismus das Schützenhaus, eine frühe Haftstätte zur Ausschaltung politischer Gegner. Im Rahmen der außerschulischen Jugendforschung im Soziokulturellen Zentrum Alte Brauerei gingen Jugendliche genau dieser Frage nach: Was geschah hier während der NS-Zeit? Im Mittelpunkt ihrer Recherchen stand das Schicksal einer 25-jährigen Katholikin aus Wiesenbad, die Anfang März 1933 im Schützenhaus misshandelt wurde und die Folter nicht überlebte.
Historischer Hintergrund
Das Schützenhaus in Annaberg wurde unmittelbar nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten im März 1933 als frühe Haftstätte genutzt. Dort hielt die SA vor allem politische Gegner fest – darunter Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter –, die schweren Misshandlungen und Schikanen ausgesetzt waren.
Themenschwerpunkte:
• Frühe Konzentrationslager und Haftstätten 1933-1937
• NS-Geschichte des Schützenhauses Annaberg
• Biografische Spurensuche
Projektaktivitäten:
• Bildungsfahrt zur KZ-Gedenkstätte Sachsenburg
• Themenabend mit Expert*innen und Erfahrungsaustausch
• Historisches Arbeiten vor Ort
Projekt­ergebnisse:
• Broschüre
• Podcast

Organisator*in:
Soziokulturelles Zentrum Alte Brauerei e. V., Annaberg-Buchholz e. V.
Partner*innen:
Kinder- und Jugendstiftung, Brücke|Most-Stiftung Dresden